Noch kein Prüfungsergebnis

Vor etwas über einer Woche hatte ich meine Prüfungs zum SFRV Trainer C und noch ist das Ergebnis nicht bekannt. Doch unabhängig vom Ergebnis ist es an der Zeit zu repetieren. Denn zu schnell nehmen wir Sachen für selbstverständlich hin und vergessen, wie der Weg dahin war. Mein Tipp: Ich führe ein Tagebuch, wo ich Lernschritte und Ereignisse rund ums Thema Pferd eintrage.

 

Der Lehrgang ging insgesamt 2 Jahre. Vor etwa einem halben Jahr begann ich mit einem neuen Pferd zu arbeiten und ihn auf die Prüfung vorzubereiten. Geplant war dieser Wechsel des Pferdes eigentlich nicht, aber im Nachhinein war es das Beste was mir passieren konnte. Samson, ein damals 9 jähriger Trakehnerwallach, galt vor seinem Verkauf als mehr oder weniger unreitbar. Doch er fand bei meiner Kollegin ein neues Zuhause und bekam dadurch eine zweite Chance. Die vielen Vernarbungen von Injektionen in seinem Lendenwirbelbereich waren deutlich zu sehen und zu fühlen als ich ihm das erste Mal begegnete. Im Galopp zeigte sich, dass ihm die Balance fehlte und mit seinen Hinterbeinen machte er zur Seite hin schaufelartige Bewegungen. Ein schönes Pferd, ohne Frage, aber er schien bereits viel erlebt und dabei seine Balance (innerlich und äusserlich) verloren zu haben.

 

Im November entschied ich mich dafür ihn zu trainieren und auf die Prüfung vorzubereiten. Ich hatte das Gefühl es mit ihm zu schaffen, machte mir aber nicht all zu viele Gedanken darüber was noch alles vor uns liegen sollte. Er hatte sich bereits gut in die kleine Herde eingelebt und genoss sichtlich die für ihn neue Haltungsform mit Offenstall und viel Weide. Die hügeligen Weiden spielten bei seinem Training eine entscheidende Rolle. Denn hier konnte er sich auf natürliche Art bewegen und seine Muskulatur ausbauen. Ergänzend zu der Haltung begann ich mit 4-5x die Woche Reiten, gymnastizierendem Longieren sowie Bodenarbeit und Zirkuslektionen. Er musste vieles von Grund auf lernen:

- Bodenarbeit und Gelassenheit

- mind. 1 Zirkuslektion

- Trail

- und vor allem Balance, ob unter dem Sattel oder beim Longieren

 

Im Winter konnten wir nicht immer viel trainieren, da wir keine Halle zur Verfügung haben. Dafür konnten wir einander besser kennen lernen und ein paar Mal auf schneebedeckten Waldwegen galoppieren. Zu der Zeit war an Galopp auf dem Platz nicht wirklich zu denken, denn Kurven brachten ihn sehr schnell aus dem Gleichgewicht. Bodenarbeit und Zirkuslektionen schienen ihm von Anfang an Spass zu machen. Doch er schien auch schnell überfordert und gestresst zu sein, da das alles ganz neu für ihn war. Dann hiess es wieder mindestens einen Schritt zurück und ganz viel Pausen einbauen.

 

Im Frühjahr kam plötzlich hinzu, dass er sich nicht mehr verladen lassen wollte. Ich habe dieses Thema bereits beim "Verladetraining" erwähnt. So verbrachten ich einige Nachmittage damit ihn darauf vorzubereiten sich wieder transportieren zu lassen (Bodenarbeit, Führpositionen und ganz viel Geduld). Heute ist das kein Problem mehr, genau wie unter anderem ruhiges stehen beim aufsteigen, das Laufen über Plastikplanen, Rinder auf Ausritten begegnen und er ist insgesamt viel besser im Gleichgewicht. Es ist enorm wie viel er in der kurzen Zeit gelernt hat. Dabei habe ich immer mit positiver Verstärkung gearbeitet und ihm die Zeit gelassen, die er brauchte.

 

Aber natürlich sind wir noch lange nicht am Ende und ich freue mich riesig auf die weiteren gemeinsamen Wege. Einige Sache bereiten ihm noch Probleme und andere können weiter verfeinert werden. Was es soll z.B. im Trail ein Tor zu öffnen und es nach dem Durchreiten wieder zu schliessen versteht er immer noch nicht ganz und auch das ruhige Stehen im Gelände war in seinem vorherigen Leben offenbar nicht Teil der Ausbildung. Aber rückblickend muss ich wirklich sagen, dass wir schon viel erreicht haben. Ob es im ein oder anderen Fach fürs Bestehen der Prüfung nun reicht oder nicht - Ich bin sehr stolz auf ihn und auch ich bin in dieser Zeit einen ganzes Stück gewachsen. Für mich hat er alle Prüfungsfächer mit Bravour gemeistert. Wir werden weiter auf diese Art arbeiten und ich bin sicher, dass wir noch für die ein oder andere Überraschung gut sein werden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Individuelles Freizeitreiten und Pferdetherapie

Kristina Gau Hiltbrunner

3035 Frieswil / BE

kristina@individuelles-freizeitreiten.ch

076 472 03 82



Kostenloser Newsletter