Da liegen die Nerven blank...

Das Pferd mit hoch gestrecktem Kopf, der Blick suchend, aufgeblähte Nüstern, nervöses trippeln und wiehern. So etwa kann man sich meinen Samson auf dem Horseathlon Biel vorstellen als wir in der ersten Prüfung des Tages (Bodenarbeit) waren. Die eigentlichen Übungen in der Bodenarbeit, Gelassenheit und Trail sind nur sehr bedingt der Auslöser. Aber was ist der Grund?

 

Seine beste Pferdefreundin war gerade in den Gelassenheits-Parcours gegangen, der sich neben unserem Parcours auf einem grossen Reitplatz befand, und war, nachdem wir die ersten Hindernisse ganz gut gemeistert hatten, für ihn nicht mehr zu sehen. Ein Moment, in dem Stress pur ausbrach. Und ganz egal wie gut unsere Beziehung bereits geworden ist, diese Verlustangst sitzt einfach tief. Dies ist aus Pferdesicht absolut nachvollziehbar, aber macht es uns Menschen natürlich schwer. Es folgte eine zappelige Gelassenheits-Prüfung gefolgt von einem abgebrochenen Trail. Es hatte einfach keinen Sinn, da einfach keine Ruhe mehr einkehren wollte. Er zeigt klare Anzeichen von "Kleben" und weiteren Stressreaktionen. Doch was sollen wir zukünftig tun?

 

Entweder wir gehen einfach nie wieder auf einen Anlass (denn so bringt es einfach nichts) oder bewegen uns aus unserer Komfortzone heraus und arbeiten daran. Ich habe mich natürlich für letztes entschieden.

 

Folgende Trainingsansätze werden wir in den nächsten Wochen und Monaten verfolgen:

 

1. Etablieren des Signals "Kopf tief" (erst vom Boden und dann vom Sattel aus)

Diese Übung habe ich von Babette Teschen (Idee der Übung). Es geht dabei darum, dass das Pferd auf ein Signal hin freiwillig (!) den Kopf senkt. Diese Körperhaltung hat einen Einfluss auf den emotionalen Zustand. Diese Übung wird sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Gerade wenn sie auch in Stresssituationen abrufbar sein sollen.

 

2. An der Selbstständigkeit arbeiten

In heimischen Stall klebt er nur noch sehr wenig. Doch ich habe bemerkt, dass ich

unbewusst auch manche Situationen vermeide, die zu Stress führen könnten. Viele Situationen betrifft dies nicht, daher ist es mir nicht aufgefallen. Gerade auch weil routinierte Situationen in unserem Alltag ihm wenig bis keine Probleme mehr bereiten. Doch ich werde nun wieder vermehrt anfangen diese Problemsituationen zu suchen und zu üben. Gerade dabei ist es wichtig in kleinen Schritten vorzugehen. Das Ziel muss sein den Stress so gering wie möglich zu halten und ihm Erfolgserlebnisse zu verschaffen. Schliesslich soll er ja motiviert werden und die Bindung zwischen uns soll sich noch weiter verbessern.

 

3. Gelassenheitsübungen

Was die Bindung betrifft werden wir auch noch intensiver an der Gelassenheit arbeiten. Also an Gegenständen/Hindernissen, die ihm unheimlich sind. Zu Beginn werden wir diese vor allem vom Boden aus üben und dann natürlich auch vom Sattel aus.

 

Dieses gesamte Training wird voraussichtlich eine ganze Weile in Anspruch nehmen. Aber wir haben ja Zeit und gerade weil das Training unsere Beziehung und sein Selbstbewusstsein stärken soll kann es keine Abkürzungen geben. Es braucht so lange wie es braucht. Ich halte euch gerne auf dem Laufenden!

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Kommentare: 1
  • #1

    Kristina Gau (Montag, 05 August 2013 12:09)

    Eine weitere gute Übung ist das Arbeiten des Pferdes ("vorwärts" als Zauberwort). Dies wird den Stress abbauen und mit der Zeit wird sich das Pferd wieder mehr auf den Reiter konzentrieren. Aber ein Training wie oben beschrieben macht auf jeden Fall mindestens ergänzend Sinn um solche Probleme vermeiden bzw. minimieren zu können.

Individuelles Freizeitreiten und Pferdetherapie

Kristina Gau Hiltbrunner

3035 Frieswil / BE

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