Mit mehr Achtsamkeit zum besseren Reiten

Ich musste einen Moment lang über den Titel dieses Artikels nachdenken. Obwohl ich ihn ein wenig "reisserisch" finde, ist er doch auch passend. Im nachfolgenden möchte ich erklären, was ich damit meine.

 

Wir reisen etwas zurück in der Zeit zu dem Moment, wo ich meine erste Reitstunde erhielt. Nachdem ich zuvor an der Longe ein paar grundlegende Sachen übers Reiten "gelernt" haben wurde ich auf ein freundliches Schulpferd gesetzt und ritt seit dem im Gruppenunterricht mit. Vielleicht war das bei euch anders, aber bei mir war das der Weg. Und was für eine Herausforderung waren diesen ersten Monate. Ich musste darauf achten, dass das Pferd in die richtige Richtung, in der richtigen Geschwindigkeit geht, dass es dabei genug Abstand zum vorderen Pferd hatte und dann auch noch die Aufforderungen des Reitlehrers wie ich meinen Körper einzusetzen haben. Alles auf einmal, oft einfach viel zu viel. Aber ich "kämpfte" mich durch, lernten von mal zu mal mehr hinzu und nach gefühlten vielen hundert Reitstunden kamen ich an den Punkt, an dem die Korrektur des Sitzes scheinbar immer mehr in den Hintergrund rückte und ich mich immer mehr auf unser Pferd konzentrierte.

 

Ein paar Jahre später, nachdem ich schon länger keine Reitstunde mehr genommen hatten, wollten ich mich reiterlich wieder mehr weiterbilden und merkte schnell, dass es am vermeintlich guten Sitz doch etwas haperte. Also versuchte ich meine Arme und Beine wieder besser zu koordinieren und gleichzeitig aber vor allem an meinem Pferdepartner zu arbeiten. Von Harmonie zwischen Pferd und Reiter war zwar zwischendurch nicht viel zu sehen. Aber irgendwie kam ich doch voran und ich hatte das Gefühl mein Pferd lernte auch etwas.

 

Doch hatte ich wirkliche Harmonie erreicht? Wahrscheinlich nein. Doch wie kann das sein, wenn ich mir doch so viel Mühe gebe? In den letzten Wochen und Monaten habe ich viel über Wahrnehmung und Achtsamkeit gelernt. Hier meine derzeitigen Ergebnisse zu dem Thema.

 

Es gibt 3 Hauptfaktoren, auf die wir Menschen beim Reiten besonders achten:

  1. Auf unser Pferd (Bewegung, Haltung etc.)
  2. Auf die Umgebung (andere Reiter, Geräusche etc.)
  3. Auf uns selbst (Sitz, Atmung, Zentrierung, Gefühl etc.)

Manches davon läuft teilweise gleichzig ab, manches davon nacheinander. Doch was ist am wichtigsten und auf was sollten wir mehr achten?

 

60% auf uns selbst

30% auf unser Pferd

10% auf unsere Umgebung

 

Diese Werte können je nach Situation natürlich variieren. Aber ich finde es besonders wichtig, dass wir mehr auf uns achten. Sind wir sicher, dass wir ruhig und entspannt sind? Sind wir sicher, dass wir gleichmässig und ausbalanciert im Sattel sitzen? Sind wir mit den Gedanken ganz bei der Sache und fokusiert, ohne dabei verkrampft zu sein? Achten wir vor allem auf unser Gefühl und weniger auf unsere Gedanken? Kleinste Unklarheiten in unserem Sitz, unserer Blickrichtung oder auch unseren Gedanken können dazu führen, dass unser Pferd uns nicht richtig versteht. Und wir, im festen glauben uns doch eindeutig ausgedrückt zu haben, werden schnell mal ungeduldig mit unseren Vierbeinern. Nicht nur auf den zweiten Blick ist dies sehr unfair!

 

Achte auf dich selbst und dein Pferd wird dich verstehen. Doch wie mache ich das? Wie schaffe ich es mich besser zu konzentrieren? Ja, es braucht Übung. Hier ein paar Tipps für mehr Achtsamkeit mit dem Pferd:

  • Achte auf die Schrittfolge deines Pferdes. Erspüre wann welches Bein abfusst.
  • Achte auf deine Atmung, z.B. wie ist die Atmensequenz im Schritt und kannst du diese verlangsamen?
  • Erspüre deine Hüftbewegung, sei dabei möglichst locker und entspannt.
  • Visualisiere auf dem Reitplatz wo du mit deinem Pferd hin möchtest. Ist es abgelenkt, bleibe du bei deinem Plan und lass dich nicht mit ablenken.

 

Es gibt noch andere Übungen für die Verbesserung der Achtsamkeit am Boden, die ich sehr empfehlen kann. Dazu gehören z.B. fliessende und bewusste Bewegungen aus dem Aikido und Tai Chi mit der entsprechenden inneren Sanftheit und Ruhe. Was zuvor am Boden geübt wurde kann danach leichter in den Sattel übertragen werden.

 

Es gibt ausserdem viele weitere Übungen die uns fürs reiten helfen können, aber dies sprengt zum einen den Rahmen und zum anderen sollte dies eher persönlich angeschaut werden. Dazu gehören Übungen für mehr Beweglichkeit, Körpergefühl und Bewusstsein. Einen Teil davon mache ich seit täglich, manche versuche ich vor dem Reiten einzubauen. Es braucht ein bisschen Geduld bis dies zur selbstverständlichen Routine wird.

 

Wir Reiter fordern wirklich viel von unseren Pferden. Und oftmals nehmen wir es als selbstverständlich hin, was sie alles für uns tun. Als Dank sollten wir uns körperlich und mental auch entsprechend vorbereiten. Das Pferd wird es uns danken und wir werden merken, dass wir immer feiner mit ihm kommunizieren können. Hierbei geht es aber nicht ausschliesslich ums Reiten, sondern auch um die Kommunikation mit dem Pferd vom Boden aus.

 

Zu gegebenem Zeitpunkt werde ich eventuell noch mehr zu diesem Thema schreiben. Bitte einen Kommentar hinterlassen, wenn ihr bereits jetzt konkrete Fragen dazu habt.

 

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