Mit Gefühl im Sattel

Eigentlich lernt man dies sehr früh im Reitunterricht: Kopf aufrecht, Augen geradeaus mit Blick weit nach vorne über die Pferdeohren hinweg. Doch was passiert häufig, gerade wenn man ohne Reitlehrer unterwegs ist? Der Blick ist auf Kopf, Hals oder Schultern des Pferdes gerichtet. Man will ja schliesslich sehen was da beim Pferd vor sich geht. Wo ist der Kopf des Pferdes, was machen die Halsmuskeln und wir erhoffen uns dadurch weitere nutzliche Informationen. Leider bleibt das Gefühl dabei sehr auf der Strecke. Das andere Extrem ist ein Reiter, der die Landschaft geniesst und mit den Gedanken irgendwo ist, nur nicht beim Pferd. Hier steht zwar das Gefühl im Vordergrund, aber man ist eher nur auf dem Pferd und lässt sich transportieren. Bitte nicht falsch verstehen, auch ich geniesse die wunderbare Natur bei unseren Ausritten, aber weiterhin auch mit dem Pferd zu sein macht dabei grossem Sinn. Ansonsten muss man sich nicht wundern, wenn man von einer plötzlichen Bewegung des Pferdes völlig überrascht wird. Mir selber passieren Unfälle fast nur, wenn ich nicht zu 100% bei der Sache war, die ich eigentlich gerade machte.

 

Was passiert nun, wenn der Blick mit weichen Augen weit nach vorne schaut und man versucht das Pferd in seinen Bewegungen zu spüren? Folgendes kann ich bei mir beobachten:

  • Ich sitze viel mehr im Pferd als nur darauf.
  • Ich spüre dadurch eher was mit dem Rücken des Pferdes in der Bewegung passiert.
  • Ich spüre über die Zügel die Bewegung, vor allem auch die Tätigkeit des Mauls und kann dadurch sanfter reagieren.
  • Ich erspüre viel mehr die ganzen Bewegungen und Haltung des Pferdes.
  • Ich spüre dadurch meine eigene Haltung besser (inkl. Anspannung oder Entspannung)

 

Wenn wir versuchen diese Dinge mit den Augen zu sehen, bleibt das Gefühl immer mehr auf der Strecke. Denn dann stecken wir fast all unsere Aufmerksamkeit in unsere Augen und alle anderen Sinne treten in den Hintergrund. Doch wie viel besser werden wir als Reiter (und Mensch), wenn wir auf das Gefühl hören und versuchen möglichst alle Sinne zu nutzen. Wir können dadurch viel mehr bei uns selber sein, in unserem Zentrum, und dadurch mehr bei unserem Pferd. Wenn wir kleine Veränderungen im Pferd erspüren können, können wir versuchen einen sanften Einfluss darauf zu nehmen. Wir merken dadurch eher, welchen Einfluss unsere Hilfen eigentlich auf das Pferd haben, kommen weg von zu viel Mechanik und merken wie es eventuell sogar bereits auf unsere Gedanken reagiert. Das klingt vielleicht im ersten Moment seltsam, aber ich habe festgestellt je mehr der Mensch bei sich ist und Bilder/Gedanken in sein Reiten einbaut, desto harmonischer kann die Beziehung zwischen Pferd und Retier werden. Und das ist es ja, was eigentlich jeder Reiter anstrebt, oder?

 

Die Herausforderung dabei kann sein mit den Gedanken nicht abzuschweifen. Man sollte gedanklich weiterhin ganz bei sich und dem Pferd sein. Wenn man das Gefühl hat sich auf etwas konzentrieren zu müssen oder wollen, was vorher die Augen übernommen haben, dann bitte "nur" auf die eigene Haltung und vor allem die Entspannung! Ist der Reiter verkrampft, egal ob innerlich oder äusserlich, wird sich das beim Pferd wiederspiegeln.

 

Bitte versucht es und findet heraus was es bei euch bewirkt. Als Test kann man versuchen einen Tag den Blick bewusst aufs Pferd zu richten und im Vergleich am zweiten Tag vor allem zu spüren. Dies kann den Unterschied deutlicher machen und euch eine neue Welt eröffnen.

 

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