Die Frage nach der Methode

 

In der Reiterwelt stellt sich häufig die Frage: "Nach welcher Methode arbeitest du?" Es gibt Anhänger der unterschiedlichsten Methoden und den entsprechenden Reitlehrern und Philosophien die dahinter stehen. Als ich mich über berufliche Ausbildungen informiert habe stand ich auch vor der Wahl. Möchte ich Parelli-Instruktor werden, nach der Tellington-Methode arbeiten, Centered-Riding unterrichten oder was möchte ich eigentlich? Schnell war klar, dass zum damaligen Zeitpunkt eine Ausbildung in einer dieser oder anderer Richtungen für mich nicht in Frage kam. Ich strebte nach Vielseitigkeit und bis heute habe ich für mich nicht DIE Methode gefunden. Doch wenn man sich aus verschiedenen Gebieten inspirieren lässt stellt sich schnell die Frage, ob man alles ein bisschen macht aber nichts wirklich kann. Das sehe ich heute differenziert. Ich sehe mich eben nicht als Reitlehrerin für eine bestimmte Methode. Dafür gibt es viele andere qualifizierte Kollegen. Ich versuche für das jeweilige Pferd die richtige Herangehensweise zu finden. Dabei möchte ich nicht sagen, dass die genannten Ausbildungsmethoden nicht in der Lage sind auch auf verschiedenste Charaktere und Ausbildungsstände von Mensch und Pferd eingehen zu können. Aber für mich zählt weiterhin Vielseitigkeit und ich möchte mich nicht auf ein Modell oder ein Gebiet festlegen. Damit hoffe ich offen für neue Einflüsse zu bleiben um mich damit auch immer wieder zu hinterfragen. Die Grundladen dabei liegen aber ganz klar im Bereich der positiven Verstärkung.

 

Die Frage ist eben auch, was möchte ich als Reiter mit meinem Pferd erreichen und was ist wichtig für das Pferd um gesund und motiviert zu bleiben. Dies zu definieren ist der erste wichtige Schritt.

 

Generell lässt sich sagen, dass ich nach MEINER METHODE arbeite, die von namhaften Pferdemenschen geprägt ist.

 

Kürzlich erzählte mir eine Reitschülerin, dass man ihr sagte man dürfe beim Longieren nicht vor die Schulter des Pferdes kommen, da dies eine bremsende Wirkung hat. Diese Aussage ist grundsätzlich nicht falsch, aber es kommt meiner Meinung nach auf diese Hauptfaktoren an:

1. Was wurde dem Pferd beigebracht.

2. Wie ist die Position des Menschen zum Pferd, wenn er vor die Schulter kommt.

3. Was möchte der Mensch über das Longieren erreichen.

 

Ich persönlich longiere hauptsächlich auf Kopf- und Halshöhe (nach B. Teschen), wenn ich nicht longenunabhängig mit Körpersprache (Prinzip nach S. G. Solinski) arbeite. Beide Methoden haben ihre eigene Berechtigung. Wichtig ist vor allem die Umsetzung und das Bewusstsein des Menschen. So kann ich in einem Moment das Pferd auf Kopfhöhe mit entsprechender Stellung longieren und im nächsten Moment einen versammelnden oder bremsenden Effekt erzeugen. Dies ist abhängig von der Körpersprache des Menschen, die im Laufe der Arbeit immer feiner und präziser wird bzw. werden sollte. Eine gutes Körperbewusstsein ist dabei von besonderer Wichtigkeit.

 

Als Fazit lässt sich sagen, dass es nicht zwingend wichtig ist nach welcher Methode gearbeitet wird. Es muss für Pferd und Mensch passen und beide mental und körperlich optimal fördern. Dabei sollte vor allem auch darauf geachtet werden, dass es für das Pferd nachvollziehbar ist. So macht es z.B. keinen Sinn, wenn am Boden mit prositiver Verstärkung und viel Zeit gearbeitet, im Sattel dann aber viel Druck ausgeübt wird. Jeder Pferdemensch sollte immer wieder sich und seine Methoden bzw. die seiner Reitlehrer hinterfragen. Eine gesunde Skepsis kann nie schaden.

 

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