Ein Stallwechsel kann vielleicht helfen

Letzte Woche habe ich eine Kundin und ihre Stute wieder getroffen. Sie war vor ein paar Wochen mit dem Pferd in einen neuen Stall gezogen und ich hatte sie eine Weile nicht gesehen. Jetzt endlich konnte ich beide im neuen Stall besuchen und die Veränderung der Stute in dieser noch kurzen Zeit ist enorm.

 
Auf dem letzten Hof war die Stute während der Arbeit immer gestresst. Sie zeigte sich nervös, reagierte auf Berührungen mit der Hand und vor allem der Gerte ängstlich und schien bei neuen Aufgaben oft die Luft anzuhalten oder mindestens die Atmenfrequenz zu reduzieren. Das ganze Pferd stand sicht- und fühlbar unter Spannung. Nach einer halben Lektion (30 Minuten) war sie mental am Limit. Da wir wissen, dass sie beim Züchter und Ausbilder durch eine harte Schule gegangen war dachten wir, dass dies einfach noch viel Zeit und Geduld brauchte. Aber das war offenbar nur die halbe Wahrheit.
 
Jetzt steht die Stute in einem anderen Stall mit anderen Strukturen, was auch eine Aussenbox und die Art des Weidegang betrifft, und sie zeigt sich neu von einer ganz anderen Seite. Das Luftanhalten ist weg, Berührungen sind kein Problem mehr, sie ist aufmerksamer und ihre Bewegungen sind bewusster geworden. Ich habe mich so sehr gefreut diese deutliche Veränderung zu sehen. Auch jetzt merkt man, dass sie nach einer halben Lektion inkl. Pausen müde ist. Aber es ist kein Vergleich.
 
Inspiriert durch dieses Erlebnis möchte ich einen entsprechenden Gedankenanstoss geben. Was können Gründe sein nach einem neuen Stall zu suchen:
  • schlechte Fütterung (z.B. schlechte Raufutterqualität)
  • zu wenig Platz, Bewegung und Sozialkontakt
  • dauerhafter Stress in der Pferdegruppe
  • dauerhaft hektische oder sogar gewaltsame Betreuung durch die Stallbetreiber/ Pfleger (nehmen sich z.B. zu wenig Zeit für die individuelle Betreuung)
Diese und weitere Faktoren können zu nervösem/ängstlichem Verhalten, Agression und/oder dauerhaften Verspannungen im Pferd führen. Bitte vor einem Wechsel aber immer erst den Dialog zu suchen und nach weiteren möglichen Ursachen forschen (siehe unten). Wie immer ist es wichtig auch sich selbst in Frage zu stellen, statt den Fehler direkt an einer anderen Stelle zu suchen!
 
Was können wir daraus lernen? Nein, sicher ist der Stall nicht in jedem Fall als genereller Problemfaktor zu betrachten. Aber er ist einer von mehreren wichtigen Faktoren, der das Pferd direkt oder indirekt in seinem Verhalten beeinflusst und dies halt auch nicht immer im positiven. Hier noch eine kleine Liste von Faktoren, die bei Auffälligkeiten berücksichtigt werden müssen:
  • Allgemeine Gesundheit (Zähne, Hufe, Muskulatur etc.)
  • Haltung (Bewegung, Artgenossen etc.)
  • Fütterung (Häufigkeit, Raufutter, Kraftfutter etc.)
  • Training (Methode, Regelmässigkeit etc.)
  • Handling durch den Besitzer und andere Betreuungspersonen (geduldig/ungeduldig, nervös und andere  mentale Aspekte des Menschen)
 
Das oben beschriebene Beispiel hat gezeigt, dass die Haltung ein wesentlicher Faktor ist. Bei der Stute gibt es auf jeden Fall noch bestehende Baustellen und wie ich zu sagen pflege "Es wäre ja langweilig hätte man nicht zu üben!". Aber die Art wie jetzt geübt und trainiert werden kann ist eine ganz andere. Ich wünsche beiden weiterhin alles Gute und freue mich sie ein weiteres Stück auf dem gemeinsamen Weg begleiten zu dürfen.
 
Weitere Artikel zu dem Thema:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Individuelles Freizeitreiten und Pferdetherapie

Kristina Gau Hiltbrunner

3035 Frieswil / BE

kristina@individuelles-freizeitreiten.ch

076 472 03 82



Kostenloser Newsletter