Immer Fair?

Und, bist du immer fair zu deinem Pferd? Was bedeutet fair überhaupt?

Eine fairer Umgang mit einem Lebewesen kann sehr viel Facetten haben. Ich werde heute einen Teil davon in Bezug auf das Zusammensein mit Pferden etwas näher beleuchten.
 
Was ich im Umgang mit dem Pferd (Alltag im Stall, Bodenarbeit und Reiten ) als fair betrachte (kein Anspruch auf Vollständigkeit):
  • Keine Bestrafung
  • Loben im richtigen Moment
  • Das Pferd nicht überfordern (aber auch nicht unterfordern)
 
Keine Bestrafung bedeutet für mich folgendes. Wenn ein Pferd abgelenkt, nervös, ängstlich oder generell aufgeregt ist hilft es nicht mit körperlichem Einsatz es korrigieren zu wollen. Zu körperlichem Einsatz zähle ich schlagen mit der Hand, einer Gerte, Peitsche, Seil oder anderen Gegenständen oder gar treten nach dem Pferd. Auch ein reissen im empfindlichen Pferdemaul, mit einem scharfen Halfter oder gebissloser Zäumung zähle ich dazu. Ausnahmen sehe ich, wenn die Situation für Mensch und Pferd wirklich gefährlich wird, dann aber auch nur als letzter Ausweg! Es gibt im Umgang mit dem Pferd immer wieder Situationen, in denen wir seine Beweggründe nicht verstehen und mit Bestrafung darauf reagieren. Doch was dies bringen soll ist wohl niemandem klar, dem Pferd am wenigstens. Durch ungerechte Bestrafung verlieren wir jedes Mal eim Stück Vertrauen oder zumindest wird das Pferd ein Stück weit skeptischer uns gegenüber. Ein Beispiel für eine unfaire Bestrafung ist z.B. ein Pferd, dass an einem fremden Ort plötzlich nicht über Stangen traben kann, obwohl das Zuhause regelmässig gemacht wird. Für den Menschen im ersten Momemt total unverständlich, für das Pferd mehr als logisch. Denn kein Pferd macht irgendetwas grundlos, vor allem nicht um uns zu ärgern! Ihm mit der Gerte jetzt einen über den Hintern zu geben würde man sehr wahrscheinlich bei den einigen Reitern sehen. Doch dies zeigt eher die Überforderung des Menschen sich in das Pferd hinein zu versetzen, als ein wirkliches Verständnis für sein Wesen. Wichtiger als die Analyse des Verhaltens an sich finde ich im Moment des Ereignisse  das Wahrnehmen des Verhaltes und die entspreche Reaktion drauf. Dabei möchte ich zu bedenken geben, dass auch eine ausbleibende deutliche Veränderung/Reaktion des Menschen für das Pferd eine Bedeutung hat.
 
Loben im richtigen Moment heisst für mich, dass ich dem Pferd immer eine positive Rückmeldung gebe, wenn es auf dem richtigen Weg ist. Nur zu loben, wenn eine  Übung bereits so gut wie perfekt ist, ist für mich nicht der richtige Weg. Stimmlob finde ich ebenso wichtig wie auch Futterlob oder Berührungen. Hier  muss man einfach für sich und sein Pferd die richtige Dosierung und Art des Lobs herausfinden. Generell gilt für mich, dass man Lernschritte erkennen und direkt positiv bestärken sollte. Nur so kann das Pferd verstehen, was wir eigentlich von ihm möchten. Und wir möchten ja oftmal wirklich mehr als seltsame Sachen von ihm.
 
Das Pferd nicht zu überfordern spielt bei beiden oben erwähnten Punkten ebenfalls eine wichtige Rolle. Man kann Überforderung nicht immer vermeiden. Dies aber zu erkennen und entsprechenden Änderungen zu machen ist eine wichtige Aufgabe. Um eine Überforderung zu vermeiden ist es grundlegend Pausen zu machen. Zu diesem Thema findet ihr weitere Gedanken bereits hier: Formen der Pause. Wir können auf der anderen Seite auch nicht immer vermeiden, dass unser Pferd mit einer Situation Stress hat. Dies gehört schliesslich auch zum Leben dazu und jedes Lebewesen lernt daraus. Dann ist es aber von besonderer Bedeutung, wie wir damit umgehen und es in positive Bahnen lenken. Stress verursachende Situationen gezielt zu üben, statt sie zu vermeiden, und die Lernschritt bzw. -ziele möglichst klein zu halten ist dabei wichtig.
 
Nein, kaum jemand wird immer und in jeder Situation fair zu seinem Pferd sein. Wir alle machen Fehler, sind an manchen Tagen dünnhäutiger als an anderen und reagieren auch mal impulsiv. Diese Momemte zu erkennen und immer weniger werden zu lassen sollte das Ziel eines jeden Pferdemenschen sein! Gezielte Übungen zur Fokussierung und Entspannen und ein geschultes Bewusstsein für seinen eigenen Zustand sind der Schlüssel für einen fairen Umgang mit dem Pferd. Hierfür kann mein Worshop "Atmung und Körpersprache für Reiter" eine erste Grundlage sein. Denn am Anfang ist es immer erst der Mensch, der an sich arbeiten muss!
 
Betrachte es nie als selbstverständlich, dass ein Pferd dich auf seinem Rücken trägt, mit dir über Hindernisse springt und dir in gefährlich erscheinenden Situationen sein Vertrauen schenkt. Hinterfrage bitte immer erst einmal dich selber bevor du übereifrig an Bestrafung für ein ungewolltes Verhalten denkst. Denn oftmals sind die Empfindungen des Pferdes für uns schwer nachvollziehbar und eine Strafe mehr als nur unangebracht.

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