Ein paar Anworten auf meine Fragen

Vor einer Weile haben ich mir selber einige Fragen gestellt und diese in einem Artikel zusammengefasst. Es sind teils Grundsatzfragen und es war mir wichtig, dass sich meine Schüler und Leser zuerst selber Gedanken darüber mache bevor ich Erklärungen gebe.

Heute möchte ich möglich kurze Antworten geben, die ich für mich gefunden habe. Es ist mein persönliches Empfinden und jeder Pferdemensch wird für sich eigene finden müssen. Aber da meine heutigen Antworten einen direkten Einfluss auf mich als Reitlehrerin haben, möchte ich diese gerne mit euch teilen. Und vielleicht bieten sie einen Einstieg in eine etwas andere Denkweise und eröffnen neue Möglichkeiten. Manche Gedanken sind eventuell etwas provokativ oder erscheinen extrem. Ich vertrete die Ansicht, dass alles gut ist was dem Pferd nicht schadet und ihm Freude bereitet. Aber ganz so einfach ist es vielleicht doch auch nicht immer. Gerade beim Thema "Zirkuslektionen" ist dies für mich eine komplizierte Sache. Aber lest selber.
 
Die Antworten kommen in gleicher Reihenfolge, wie die zuvor gestellten Fragen.
  • Klickern ist in meinen Augen nicht zwingend als Bestechung zu sehen. Jedoch muss einem bewusst sein, was damit erzeugt wird. Pferde reagieren in der Regel sehr gut auf Futterlob. Man kann ihnen mit dem Klicker praktisch alles beibringen. Für mich ist es jedoch heute wichtiger, dass mein Pferd durch mich als Person und meine Arbeit motiviert wird und nicht auf den "erlösenden" Klick wartet. Für mich liegt der Fokus des Pferdes dort nicht auf dem richtigen Teil der Beziehung.
  • Hat man zuvor viel mit Futter gearbeitet und nimmt man diese Form des Bestätigung nun weg zeigt sich schnell, wie eng die Beziehung zwischen Mensch und Pferd wirklich ist. Ich möchte nicht bezweifeln, dass Klicker-Pferde durch diese Arbeit nicht auch eine besondere Beziehung mit dem Menschen eingehen und auch ohne Futter Interesse an der Zusammenarbeit zeigen. Schliesslich wird die Futtergabe im Laufe der Arbeit auch immer weniger. Jedoch habe ich das Gefühl, dass die generelle Erwartungshaltung bestehen bleibt. Dies ist beim Stimmlob vielleicht auch so. Aber dann ist mir diese Form der gegenseitigen Wertschätzung aktuell definitiv lieber.
  • Ja, Zirkuslektionen können abwechslungsreiche Beschäftigungen für das Pferd sein. Jedoch empfinde ich es weiterhin so, dass das menschliche Ego ebenfalls eine grosse Rolle spielt. Das finde ich nicht prinzipiell schlecht! Aber viele der spektakulären Zirkuslektionen wie z.B. das Steigen oder der spanische Schritt bleiben in meinen Augen oft leere Hüllen, da sie aus keiner echten Emotion heraus entstehen. Sie sind antrainiert. Zwar entsteht im Pferd dadurch oftmals eine Aufregung, aber eben eine andere als die, die dieses Verhalten entstehen lässt. Im Moment habe ich lieber ein Pferd das im Spiel dieses Imponiergehabe aus tiefster Emotion heraus zeigt, als auf Abruf. Ausgenommen davon sind Pferde, die z.B. das Steigen als Problemverhalten zeigen. Bei diesen kann es helfen das Steigen gezielt zu üben, um es später kontrollieren zu können. Was das Thema Zirkuslektionen betrifft werden sicherlich noch weitere Überlegungen notwendig sein!
  • Ich bin überzeugt, oftmals hinterfragen wir uns selber nicht genug und greifen dann lieber auf eine Methode zurück. Das ist so schön einfach. Den Zügel ein bisschen höher, das Bein ein bisschen enger ans Pferd... Mit dem richtigen Fokus wäre es vielleicht auch gegangen. Ja, Technik ist wichtig! Aber sie sollte nicht so im Vordergrund stehen, wie sie es doch meistens tut. Es braucht für den Reiter viel Übung die mechanischen Hilfen nicht mehr an erste Stelle zu setzen.
  • Ich brauche nicht zwingend eine ganz bestimmte Ausrüstung (Halfter, Kappzaum etc.) damit mein Pferd mich versteht. Aber dies kommt eben ganz darauf an, was man damit erreichen möchte. Demnach sollte man seine Ausrüstungsgegenstände entsprechend auswählen. Als Beispiel, ein Cavecon-Kappzaum darf nicht so verschnallt werden wie ein grosser, weich gepolsterter Kappzaum. Denn hiermit wird anders gearbeitet und hat dadurch einen anderen Hintergrund.
  • Pferde können sich mit gezielter Anleitung durch menschliche Körpersprache selber gymnastizieren, ohne dass wir dafür an ihnen direkt "manipulieren" müssen. Ziel dieser Arbeit ist es, dass das Pferd seinen eigenen Körper direkter kennenlernt und dies eben nicht als Manipulation wahrnimmt. Durch gezielte Berührung können wir die Aufmerksamkeit des Pferdes auf eine spezielle Körperregion lenken. Wenn wir auf diese Weise und vor allem frei mit ihnen arbeiten, scheint mir der Lernprozess noch tiefer verankert zu werden, als wenn das Pferd vermehrt durch die körperlichen Hilfen des Menschen eine Form erzeugt wird.
  • Oft "hören" wir nicht darauf, was unser Pferd uns anbietet. Wir geben ihm nicht den passenden Raum und die Zeit dafür. Unsere eigenen Ideen stehen klar im Vordergrund. Menschen, die mit ihrem Pferden Klickern erzählen immer wieder, dass die Pferde anfangen Übungen anzubieten.  Auch ich kenne das aus eigener Erfahrung. Dies sehe ich aus der Motivation heraus sich ein Leckerli verdienen zu können. Das Leckerli steht für eine extrem positive Belohnung. Was ich aber mit Ideen meine, sind Bewegungsfreude und Bewegungsmuster, die Pferde z.B. im Spiel zeigen (nicht das "Spiel" nach Pat Parelli oder durch Futterbelohnung erzeugt). Die meisten Pferde müssen erst wieder lernen, dass wir ihnen nichts aufzwingen und sie sich frei entfalten dürfen.
  • Wenn ich auf einem grossen Reitplatz oder gar einer Weide alle Hilfsmittel wegnehme und zuvor nicht durch negative Verstärkung dem Pferd die Möglichkeit genommen haben, wahrhaftig selber zu entscheiden, oder es durch Futter bei mir halte, dann zeigt sich die wahre Beziehung zwischen Mensch und Pferd. Das Ergebnis wird wohl zu Beginn eher ernüchternd sein, gerade, wenn es in der Nähe vielleicht noch einen Grashalm gibt. Und möge dieser noch so klein sein. Aber man sollte dies als Chance sehen an sich und seinen Kompetenzen arbeiten zu können. Und ja, dies braucht in diesem Fall dann viel Arbeit um die mentalen und bewegungstechnischen Fähigkeiten zu optimieren. Denn wir dürfen natürlich nicht davon ausgehen, dass das Pferd bei uns bleibt weil wir  schliesslich seinen Unterhalt zahlen und es uns diesen Respekt "schuldet"!
  • Oftmals suchen wir beim Reiten zwar nach Wegen zu mehr Sanftheit, bleiben dann aber doch in dem meisten Fällen bei der mechanischen Technik stehen. Andere Wege zu gehen kommt einem halt selten in den Sinn. Mit anderen Wegen meine ich eine mentale Vebindung zum Pferd und die Kraft der Visualisierung. Wenn man dieses Konzept ausbaut, braucht es nur noch wenige Techniken wie Zügel- oder Beinhilfen und diese wirken dann endlich wofür die gedacht sind, als feine Unterstützung für spezielle Details einer Bewegung. Ich plädiere daher zu mehr Mentaltraining für den Reiter!
Also, worum geht es mir? Ich möchte reiterliche Hilfen im Sattel minimieren, die Körpersprache am Boden optimieren und dadurch dem Pferd die Möglichkeit geben auf unsere Gedanken und feine Signale zu reagieren. Dafür müssen wir aber lernen, unsere Gedanken und unseren Körper im Griff zu haben. Vor allem dem mentalen Bereich schreibe ich heute eine besonders grosse Bedeutung hinzu. Wie ich von Mark Rashid kürzlich hörte "Sanftheit entsteht in uns und wir müssen es auch im menschlichen Alltag immer wieder üben!". Für mich hat die Reise zum Teil erst begonnen. An meinem Angebot ändert dies daher noch nicht gross etwas, auch wenn ich Elemente sicherlich hier und da bereits mit einbauen werde. Auch an meiner Form des "Impulsreitens" ändert sich aktuell nicht viel, ausser dass der Impuls zuerst von innen heraus kommen muss. In der Zukunft werde ich sicherlich weiteres dazu berichten.

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Kommentare: 1
  • #1

    Sandra Urfer (Montag, 13 Oktober 2014 20:22)

    Danke Kristina für diesen spannenden Artikel. Ich werde sicher noch einige male daran denken. Aber ich freue mich meinen Weg zu finden. Danke das du mit mir und Akim arbeitest. Es macht mega spass.

Individuelles Freizeitreiten und Pferdetherapie

Kristina Gau Hiltbrunner

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