Die erneute Helmfrage

Im November 2012 hatte ich bereits einen Artikel zu diesem Thema verfasst. Damals beschloss ich immer mit Helm zu reiten. Daran habe ich mich bis vor kurzem auch gehalten. Doch nun fing mein Helm an unangenehm zu drücken und so ritt ich zwischendurch auch mal wieder ohne. Ich fühlte mich sicher und muss gestehen es irgendwie auch genossen zu haben. Zwischendurch trug ich ihn dann auch wieder und das Drücken fiel mir bei den Ritten nicht sonderlich auf. Trotzdem hatte ich angefangen mit meiner eigenen 'Regel' zu brechen und am Dienstag sollte ich den Preis dafür zahlen.


Ein Ausritt mit Folgen
Ich war bei einem Kundenpferd und obwohl ein paar Warnzeichen bereits da waren, so ignorierte ich diese bei dem Anblick des schönen Herbstwetters. Ich kenne das Pferd bereits seit ein paar Jahren und fühlte mich der Situation gewachsen. Mit den ignorierten Zeichen meine ich innere Stimmen, Signale des Pferdes und weitere Kleinigkeiten. Aber ich hatte meinen Helm im eigenen Stall vergessen, konnte mir im Stall der Kundin keinen leihen und entschied mich trotzdem gegen ein Longieren auf dem Platz und für einen Herbstausritt. So kam es also wie es wohl kommen musste. Auf dem Rückweg aus dem Wald kreuzten wir ein Landwirtschaftsfahrzeug, das Pferd buckelte und ich, ohne Sattel und eben leider ohne Helm reitend, landete unsanft auf dem Boden. Nein, es ist mir nichts wirklich schlimmes passiert. Die Folgen sind eine kleine Beule am Kopf, ein aktuell noch recht schmerzender Nacken und ein bisschen weh hier und da. Da rückt ein Thermin bei meiner Osteopathin wohl in greifbare nähe. Aber es hätte auch deutlich schlimmer kommen können!

Die Erkenntnis
Ich muss zugeben, es fällt mir nicht leicht darüber zu schreiben. Auch wenn ich mich nur leicht verletzte, so ärgere ich mich enorm über meine Dummheit. Aber nachher ist man wohl erst nachher schlauer. Und auch jemand der mit Pferden arbeitet ist nicht vor Fehlern geschützt. Dem Pferd ist übrigens nichts passiert! Ich bin anschliessend in Ruhe mit ihm nach Hause gelaufen.

Wenn Emotionen Entscheidungen treffen
Ob man einen Helm trägt oder nicht hat meiner Meinung nach oftmals mit Gefühlen zu tun. Fotos, Reitvorführungen, reiterliche Vorbilder prägen unser Handeln. Ich merke das bei mir auch sehr stark. Reiten hat immer mit Emotionen zu tun und wenn sich das Bild des helmlosen Reiters mit Bewunderung vermischt, können Situationen wie meine passieren. Nein, ich gebe niemandem die Schuld dara ausser mir. Denn ich alleine habe es entschieden. Aber je mehr man sich an das Bild der zum Beispiel klassischen Dressur mit Helm gewöhnt, desto selbstverständlicher wird es und auch der eigene Gebrauch wird dadurch natürlicher.

Keine Frage der Reitweise oder der Erfahrung
Es ist egal, ob man bereits viele Jahre Reitet oder erst kurz, ob man nur ein Pferd reitet oder mehrere, ob man seinem Pferd blind vertraut oder nicht. Es ist egal ob man Western, Barock oder sonst was reitet, egal welche Jahrszeit, auf dem Platz oder im Gelände. Versucht eure innere Stimme nicht zu überhören und bitte tragt einen Helm! Mein Kopf wäre diese Woche sehr froh gewesen einen gehabt zu haben, auch wenn zusätzlich ein Hintern-Airbag hilfreich gewesen wäre, doch ich mich ganz gegen einen Ausritt entschieden hätte... Achtet auf eure Sicherheit, egal ob ihr nur mal kurz auf den Platz geht, in den Wald reitet oder ein Fotoshooting habt. Es gibt Reitweisen, da empfinden wir es als ganz selbstverständlich, dass ein Helm getragen wird. Dazu gehört das Springreiten, Military und natürlich auch Kinder/Jugendliche unter 18 Jahren. Doch dann gibt es viele Bereiche, wo es uns (noch) komisch vorkommt: Dressur, Barock, Western und besonders auch bei Vorführungen und Fotoshootings. Gerade bei den letzteren möchte der Reiter zum Beispiel wehendes, glänzendes Haar zeigen, zeigen wie gross die Harmonie und das Vertrauen sind. Doch stört ein Helm wirklich dieses Bild, oder haben wir es einfach nur falsch verinnerlicht? Denn was ist schon so schlimm daran einen Helm zu tragen? Ist es vielleicht eher das eigene Ego, dass es nicht zulassen möchte? Ist es weil man schon sehr lange (zum Glück) keinen Unfall hatte? Ist es weil der Helm einem drückt? Ein gut sitzender Helm sollte angenehm zu tragen sein! Vielleicht liegt ein Drücken dann nur am Modell. Alles andere ist wohl eher eine Frage der inneren Einstellung. Aber auch heute sieht man bereits Helme beim Dressurreiten und ich hoffe, dass dies noch normaler werden wird. Denn im Zweifelsfall kann der Helm schlimmeres verhindern.

Punkte die für das Tragen eines Helms sprechen:

  • Verhinderung von schweren Kopfverletzungen
  • Mehr Sicherheit in unvorhersehbaren Situationen (Stolpern des Pferdes etc.)
  • Vorbildfunktion für vor allem jüngere Reiter
  • Das Image von Reithelmen heben

Erfahrung hilft Situationen richtig einzuschätzen. Aber das macht uns noch lange nicht zu Hellsehern! Daher werde ich mich zukünftig wieder an meine persönlich festgelegte Helmpflicht halten. Ja, Reiten ist ein gefährlicher Sport und ein Helm schützt nicht vor zum Beispiel einem gebrochnen Arm. Aber ein Arm kann wieder heilen, ein Kopf im schlimmsten Fall nicht. Daher, passt auf euch auf und tragt Helm!

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Kommentare: 1
  • #1

    Michelle (Mittwoch, 04 November 2015 17:42)

    Super Beitrag! Ich finde es wichtig, dieses Thema anzusprechen.
    Klar ist es toll, mit im Winde wehenden Haaren auszureiten und trotzdem fühle ich selbst mich dabei unwohl, denn es ist nicht nur einmal passiert, dass ich "kopfsvoran" vom Pferd gegen die Stangen eines Sprungs oder einfach den Boden gefallen bin und ich möchte nicht wissen, was ohne Helm passiert wäre. Das gleiche ewige Thema gilt beim Fahrradfahren; einmal Kurve schneiden und man knallt lieber mit dem Helm auf die Motorhaube als mit dem ungeschützten Kopf.

    Die eigene Gesundheit sollte einem dies wirklich wert sein.

Individuelles Freizeitreiten und Pferdetherapie

Kristina Gau Hiltbrunner

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