Hinschauen und Hinterfragen

Eines der wichtigen Dinge, die ich im Laufe meines bisherigen Reiterlebens gelernt habe sind "Hinschauen und Hinterfragen". Dies kann man auf vieles beziehen, hier einfach ein Beispiel aus Beobachtungen an der diesjährigen BEA/PFERD in Bern.


"Hier zeigt das Pferd eine schöne Piaffe.", erklärte die Stimme aus den Lautsprechern. Was ich jedoch sah, sprach eine andere Sprache. Ja, das Pferd zeigte piaffähnliche Tritte. Man könnte sagen es war noch in der Lernphase "Grobmotorik". Obwohl, dieser Ausdruck passte doch eher noch zu der Reiterin im Sattel. Da gab es viel Hüftbewegung, die mehr nach aktivem Treiben oder Schaukeln aussah als nach harmonischem Mitgehen. Währenddessen zeigte eine Reiterhand mit der Gerte nach hinten Richtung Hinterhand des Pferd. Dort tippte diese regelmässig auf die Kruppe des Pferdes im gedachten Takt der Piaffe. Beides, Sitz der Reiterin und das Touchieren mit der Gerte, ergaben in meinen Augen einfach kein harmonisches Bild. Irgendwie erzwungen wirkte es auf mich und so fragte ich mich, ob man diese Übung denn nicht anders aufbauen kann. Und ja, ich habe bereits gesehen, dass man diese Lektion auch anders üben kann, damit das Pferd diese als körperlich und mental sinnvolle Lektion erlernt.

Die Frage ist generell, wie erarbeitet man etwas und möchte oder besser sollte man es überhaupt erarbeiten? Bei diesen Fragen kommt es auf viele Faktoren an. Der Ausbildungsstand von Pferd und Reiter spielen da sicherlich eine Rolle. Aber ich denke manchmal hilft hineinfühlen. Ich mache ungern zu grosse Pläne. Ich bin der Ansicht, dass sich vieles ergibt, wenn die Zeit reif dafür ist. Und so ist für mich eben auch die Piaffe weniger ein Ziel, als mehr eine Konsequenz entsprechender Vorabeit. Und eben so möchte ich sie und andere Übungen auch aufbauen. Aus dem eigenen Bewegungsgefühl von Reiter und Pferd heraus. Und nicht durch die Entscheidung, dass das Pferd diese oder jene Übung nun lernen muss. Ein Schritt ergibt immer den nächsten und so sollten wir geduldig und mental offen sein, Neuerungen zu erkennen und zuzulassen.


Wie zuvor gesagt, es geht mir nicht um die Piaffe generell. Es geht mir darum zu hinterfragen, Harmonie anzustreben und seine eigene Vorgehensweise zum Wohle des Pferdes immer wieder zu überprüfen. Auch ich nutze die Gerte zum touchieren in verschiedenen Übungen und sehe sie als wichtiges Hilfsmittel meiner Arbeit an. Jedoch ist natürlich immer die Frage zu stellen wie man sie einsetzt und ob es eventuell noch Vorübungen für die jeweilige Aufgabe braucht. In diesem Sinne hinterfrage auch ich mein Herangehensweise stetig neu, um jedes Pferd-Reite-Paar optimal fordern und fördern zu können.

Bei meinem hier gezeigten Foto ganz klar zu hinterfrage ist mindestens, warum ich keinen Helm trage! :)

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