Spektakuläres im Vordergrund?

Der heutige (Pferde-) Mensch scheint das besondere zu suchen. Das extreme, spektakuläre. Dazu gehören steigende Pferde in den Zirkuslektionen, über Feuer springende Pferde in der Freiheitsdressur, waghalsige Hindernisse im Extreme Trail und wenn reitend, dann möglichst nur am Halsring oder am besten ganz frei. Das alles kann das Resultat einer sinnvollen Ausbildung sein und kann das Vertrauenzwischen Pferd und Mensch widerspiegeln. Einiges davon wird mir persönlich aber mehr und mehr zu viel. Ist es wirklich das, was wir anstreben, oder ist es eher nureine Flucht? Eine Flucht vor der tiefgehenden Beschäftigung mit mir selber? Und muss ein gut ausgebildetes Pferd das alles können? 


Muss mein Pferd diesen Ansprüchen gerecht werden?
Meine Antwort dazu ist: Nein! Ein Pferd schuldet uns nichts. Für mich steht immer mehr die Beziehung und die feine Kommunikation im Vordergrund. Ich dachte dieses Ziel schon immer zu haben. Aber nun fühlt es sich anders an. Ich möchte mich vom "dressieren" lösen, ich möchte ein motiviertes Pferd, das sich freiwillig dazu öffnet mit mir zu sein. Dies alles ist aber vor allem eine Reise zu mir selber. Ich muss mir klar werden was ich fühle, was ich ausstrahle, was  ich möchte. Und letzteres muss ich dann zum Teil wieder loslassen um dem Pferd Raum zur Entfaltung zu geben. So können Lektionen mit dem Pferd gemeinsam erarbeitet werden.

Freiheit und Harmonie
Was lieben wir am Pferd: ihre Eleganz, Kraft, Anmut und Ausstrahlung. Sie wecken ein Gefühl von Freiheit in uns und den Wunsch in Harmonie mit der Natur zu treten. Und doch entfernen wir uns von diesen Gefühlen und Wünschen. Als "Trend" fordern wir von unserem Pferd, dass es sich wenn möglich immer und überall auf ein Signal hinlegt, vor uns steigt wenn wir dies möchten. Ich möchte nicht bestreiten, dass solche Übungen manchen Pferden Freude bereiten. Aber zum grossen Teil haben wir offenbar verlernt in unser Pferd hinein zu fühlen und ihm Raum zu geben. Nicht alles was frei aussieht, ist es tatsächlich auch. Wir alle lieben unsere Pferde. Und doch lassen wir oftmals eine wirklich tiefe Verbindung nicht zu. Eine Verbindug mit der wir uns praktisch blind verständigen können und ganz viel an unserer Qualität als Mensch arbeiten. Keine Dressur damit es bei uns bleibt oder etwas für uns tut, sondern durch Freundschaft und Vertrauen. Man sagt immer, dass es ein Zeichen von Vertrauen ist, wenn ein Pferd sich für uns hinlegt. Jedoch kommt es stark auch darauf an, wie etwas beigebracht und in welcher Form abgefragt wird.
 
Ausdrücke warhnehmen und schätzen lernen
Vor ein paar Wochen wurden diese beiden Fotos von meinem Pferd gemacht. Ziel war es, dass er durch den Ring springt. Als er es tat, freute ich mich über sein Vertrauen. Auf dem anderen Bild ging er daran vorbei. Dieses Bild freut mich auf eine Art viel mehr als das andere. Es mag für viele unspektakulärer aussehen als ein Pferd, das durch einen Ring springt. Aber es zeigt mir sehr viel Ausdruck, viel Sprache und Charakter. Es zeigt mitunter auch, dass ich nicht klar kommuniziert haben. Es ist für mich eine Meinungsäusserung meines Pferdes. Ja, ich möchte Vertrauen und Losgelassenheit von meinem Pferd. Aber gleichzeitig möchte ich den Charakter meines Pferde sehen. Sie dürfen und sollen sich äussern können. Klar, soll diese Freiheit keine Gefahr für den Menschen darstellen. Ich möchte kein agressives Pferd oder eines, dass den Menschen dominieren möchte. Aber auch ich möchte es nicht um jeden Preis dominieren. Eher möchte ich sanft führen. Ich möchte einen Partner, dem ich durch das Zusammensein mit mir ein Stückchen Freiheit wiedergeben kann und der mir selber die Tür dorthin öffnet. Freiheit bedeutet nicht zwingend spektakular am Halsring über ein Feld galoppieren. Freiheit entsteht im Kopf und Herzen und ist nicht nur am Hilfsmittel auszumachen. Das Pferd soll sich am zentrierten Menschen orientieren wollen und bemerken, wie wir sein Leben bereichern können. Und dadurch werden wir unser eigenes Leben ebenfalls stark bereichern und daran wachsen.

Ich versuche einen Weg zu finden die Persönlichkeit meines Pferdes zu fördern, an unserer Beziehung und dadurch an meiner Qualität als Mensch zu arbeiten und uns beiden dadurch mehr Verbindung und Freiheit zu ermöglichen. Ich freue mich sehr darauf, auch wenn es eventuell für den Aussenstehenden weniger Spektakulär aussehen mag. Aber um diesen geht es ja nicht. Es geht um die Beziehung. Gerne unterstütze ich auch dich auf deinem Weg!

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