Abnehmen fürs Reiten - kein Tabuthema

Mein neues "Projekt" startete am 7. Dezember und wir befanden uns in der 2. Adventswoche. Weihnachtsleckereien und kalte Temperaturen verlockten dazu sich zu verwöhnen. Alles gut und schön. Aber was ist, wenn wir plötzlich zu unfit und zu schwer für unser Pferd werden? Gerne sagt man, lieber ein guter Reiter mit etwas mehr Gewicht als eine unausbalancierter schlanker Reiter. Doch man sollte ehrlich mit sich sein und erkennen, wann es für sich selber und sein Pferd zu viel wird. Ein sensibles Thema, ich weiss. Aber es sollte kein Tabuthema sein. 

Bei mir ist es aktuell so, und ganz so plötzlich kam dies sicher nicht, dass ich für mein Wohlgefühl und meine Fitness leider wieder ein paar Kilo zu viel auf die Wage bringe. Ich habe in den letzten Wochen einfach zu wenig auf mich geachtet. Ich habe zwar ein grossgebautes Pferd, aber auch er merkt 3-5 Kilo mehr oder weniger. Ganz zu schweigen von meiner Fähigkeit bei der Freiarbeit längere Zeit mit ihm mitzulaufen. Denn die Kondition leidet ebenfalls unter dem Gewicht. Als Faustregel gilt, ein gesundes Pferd sollte maximal 20% seines Körpergewichtes tragen müssen (Reiter inkl. Kleidung, Sattel und weiterer Ausrüstung). Je nach Körperbau, Gesundheit und Ausbildungsstand eher weniger.

Doch kann man in der Vorweihnachtszeit 3-5 Kilo abnehmen? Man möchte ja ungern auf alles verzichten was diese Zeit zu bieten hat. Ich habe mich der Herausforderung gestellt und werde euch verraten, wie ich persönlich dies angehe.

1. Ausreichend Wasser trinken
Ich trank in der letzten Zeit wieder mehr Saftschorlen als auch schon. Dies bedeutet mehr Zucker. Ich werde sie nicht komplett weglassen. Aber der Tag beginnt nun erst einmal mit einem grossen Glas Leitungswasser. Auch eine Flasche mit Wasser steht ab jetzt auf dem Bürotisch. Denn wenn man es vor der Nase hat, trinkt man auch eher etwas. Genügend Wasserzufuhr ist für unseren Körper sehr wichtig. Pro Tag sollten es etwas eineinhalb Liter in Form von reinem Wasser sein. Weitere Flüssigkeit nehmen wir z.B. über die Nahrung auf. Ein Glas Wasser vor der Mahlzeit kann den Hunger bereits dämpfen. Aber bitte eben nicht zu viel trinken, denn das ist ebenfalls ungesund.

2. Bewegung nicht nur für Partner Pferd
Bewegung ist wichtig. Für unsere Gelenke, aber auch um abzunehmen und fitter zu werden. Daher macht ein regelmässiges Bewegungstraining Sinn. Heute Morgen waren es für mich nach dem Austehen ca. 10 Minuten: Ein bisschen Tanz, ein bisschen auf der Stelle joggen, Liegestütze, Kniebeugen... man kann sich auch Zuhause und bei wenig Zeit ein passendes Programm zusammen stellen. Wenn wir unter anderem am Boden mit dem Pferd arbeiten, in Form von Boden-, Freiarbeit oder Longieren, so können wir schon Zuhause mit verschiedenen Gehmethoden experimentieren. Mehr oder weniger Knieaktion, wie abfussen, verschiedene Schrittlängen, mehr oder weniger energievoll. Je besser wir unseren eigenen Körper kennen, desto gezielter können wir ihn einsetzen. Fliessende Bewegungen können dadurch entstehen, auf die das Pferd ebenso harmonisch antworten wird.

3. Kleine Portionen
Es ist wichtig, dass wir nicht auf eine Diät setzen, die kurzfristig einen Erfolg bringt und dann wieder in alte Muster zurück fallen lässt. Eine Kur ist ja gut und schön, aber für langfristige Erfolge braucht es eine Umstellung der Gewohnheiten. Was man essen und was man eher meiden sollte, kann für jeden Menschen anders aussehen. Das bewusste Essen und vor allem kleinere Portionen helfen mir jedoch besondes beim abnehmen. Mit dem Essen sollte man sich Zeit lassen, damit der Körper wieder merkt, wann er eigentlich satt ist. Und auch das aussreichende Trinken kann dabei helfen, früher satt zu sein (siehe oben). Und man sollte für sich herausfinden, wann man aus Appetit oder reiner Gewohnheit etwas isst. Wenn man merkt keinen Hunger zu haben, muss man nichts essen nur weil die Uhr sagt es wäre nun Essenszeit.

4. Genuss und Achtsamkeit
In der Weihnachtszeit geht es um Genuss. Aber geniessen wir tatsächlich, oder stopfen wir uns nur voll ohne es wirklich zu bemerken? Genuss hat etwas mit bewusstem Handeln zu tun. Und wenn wir Kekse, Schokolade und Co. bewusst und in kleineren Mengen geniessen, so verzichten wir kaum bis gar nicht, und können trotzdem Gewicht verlieren. Dies hat etwas mit Achtsamkeit zu tun, welche wir im Umgang mit dem Pferd ebenfalls brauchen. Aber auch für die regulären Mahlzeiten sollten wir uns Zeit lassen. Denn dann hat unser Körper eine Chance frühzeitig zu signalisieren, wann es eigentlich genug wäre. Wenn wir dann immer etwas früher mit dem Essen aufhören, kann sich dies auf der Waage positiv widerspiegeln. 

Auch wir sind gefordert
Egal ob es um eine Gewichtsreduktion geht, oder um mehr Beweglichkeit und Fitness. Wir sollten ebenso gut auf uns achten, wie auf unser Pferd. Dabei muss jeder für sich entscheiden, wie fit er sein möchte. Nicht jeder möchte ein durchtrainierter Athlet werden. Jedoch sollten wir nicht vom Pferd Höchstleistungen erwarten und selber nicht ebenfalls daran arbeiten. Auch kleine Übungen mehrmals die Woche können dabei helfen die Kondition und Beweglichkeit zu verbessern. Alles andere kann sich daraus ergeben, auch wenn manche von uns vielleicht in diesem Leben vom Gewicht her keine Elfe mehr werden möchten. Es geht darum gesund zu sein und auf sich zu achten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Erste Ergebnisse
Ich wollte diesen Artikel nicht veröffentlichen ohne sicher zu sein, dass es, zumindest bei mir, auch wirklich funktioniert. Ich finde man sollte sich mit der Körperwaage nicht zu verrückt machen. Man merkt ja auch über die Kleidung, ob es erste Erfolge gibt. Aber sie zwischendurch als Anreiz zu nehmen kann sinnvoll sein. Heute ist der 15.12.2016 und mein "Projekt" läuft seit einer Woche. Es haben sich bereits etwas über 2 kg verabschiedet. Mein nächstes Ziel sind daher mindestens 3-5 weitere Kilo. Die Hose zwickt schon deutlich weniger. Und es fühlt sich dabei nicht nach Verzicht an. Und das ist es ja auch nicht, vielmehr eine Reduktion. Ich achte wieder viel mehr darauf wann ich eigentlich hungrig bin und wann ich eher aus Gewohnheit oder nach der Uhrzeit etwas essen würde. Das hilft ebenfalls sehr dabei ein Gefühl für den eigenen Körper zu bekommen. Und um Körpergefühl geht es ja auch beim Zusammensein mit dem Pferd. Warum nicht bereits in diesem Zusammenhang damit anfangen?

In diesem Sinne wünsche ich euch eine angenehme Adventszeit, mit viel Achtsamkeit, Freude und hier und da etwas zum Geniessen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Sonja (Donnerstag, 15 Dezember 2016 17:36)

    Hallo Kristina,

    der Artikel kommt sehr passend zu dieser Jahreszeit daher. Auch bei mir haben sich Unbeweglichkeit, Trägheit und Heißhunger eingeschlichen in den letzten Monaten. Und ich merke schon bei 2-3 Kilo mehr wie viel schwerer ich mich fühle. Auch trinke ich in der kalten Jahreszeit viel zu wenig.
    Ich habe mir jetzt angewöhnt, morgens schon mal eine große Tasse Kräutertee zu trinken. Wenn ich Langeweile bekomme, suche ich mir irgendwas von meiner To-Do-Liste, statt irgendetwas zu essen. Bevor ich esse, trinke ich etwas. Oft wird Durst mit Hunger verwechselt. So kann ich das umgehen, trinke mehr und esse nicht obwohl ich eigentlich noch garkeinen Hunger habe.

    Lieben Gruß,

    Sonja

  • #2

    Kristina (Donnerstag, 15 Dezember 2016 17:46)

    Liebe Sonja
    Ja, das geht mir sehr ähnlich. Essen als Übersprungshandlung oder Langeweile sind ein grosses Thema. Statt mal richtig eine Arbeitspause zu machen, isst man noch schnell etwas und macht dann gleich weiter. Aber dies habe ich schon teils besser im Griff. Am Anfang muss man einfach gut aufpassen und mit der Zeit wird es selbstverständlicher.
    Ich freue mich am Wochenende aufs Kekse backen, die dann auf jeden Fall genossen und nicht verschlungen werden!

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