Vom Loben und Danken

Ich nutze viel Lob in meiner Ausbildung. Dazu gehören Stimm- und Berührungslob, teilweise auch Futterlob. Für mich ist es wichtig, dass das Pferd weiss was ich möchte und es motiviert ist. Aber ist ein Lob immer die richtige Wahl? Oder braucht es manchmal eher ein Danke?

Stimmlob
"Brav, Gut, Super, Prima..." es gibt viel was man sagen kann, um das Pferd zu bestätigen. Wenn das Pferd etwas tut und wir diese Bestätigung hinzufügen, sprechen wir von einer positiven Verstärkung. Unsere Stimme können wir immer einsetzen, auch auf Distanz. Wichtig dabei ist vor allem der Tonfall und unser Gefühl dahinter. Das Lob muss authentisch sein, wir müssen es mit Gefühlen auffüllen. Denn ansonsten ist es nur eine leere Worthüllse.

Berührungslob
Um dies zu erklären möchte ich kurz ausholen. Als ich 2001 für ein Jahr in die USA ging, lobte ich Pferde durch Klopfen auf den Hals. So hatte ich es in diversen Ställen gelernt und hinterfragte es nicht. Dann erklärte mir mein Gastvater eindrücklich, dass es auch anders ginge. Er stellt sich neben mich und klopfte mir auf die Schulter. Es fühlt sich unangenehm an. Danach strich er mehrmals über die Schulter und fragte mich, was mich wohl mehr Bestärken würde. Die Sache war ab dem Zeitpunkt für mich klar. Sich das Klopfen abzugewöhnen war dann aber ein langer Prozess, da es bereits zum Automatismus geworden war. Berührungslob setzen wir viel am Hals ein, aber eigentlich ist die Stelle nicht so relevant. Wichtiger ist, dass sich das Pferd dabei wohl fühlt. Wenn es zum Beispiel die Berührung auf der Stirn nicht so mag, dann macht es auch keinen Sinn hier loben zu wollen.

Ich nutze wie gesagt viel Lob, teils auch mit Futter, dies wenn auch in letzter Zeit eher weniger. Doch nun stellt sich mir die Frage, ob ein Lob wirklich immer das richtige ist. Es ist sicher nicht grundlegend falsch. Denn es zeigt, dass wir etwas wahrgenommen haben. Aber manchmal erscheint ein Danke angebrachter.

Danken
Ein gefühltes oder gesprochenes Danke hat eine andere Bedeutung als ein Lob. Ein Lob setzten wir vor allem dann ein, wenn wir etwas bestimmtes und vor allem auch etwas neues vom Pferd möchten und es dies tut. So loben wir zum Beispiel auch kleine Ansätze und Lernschritte. Mit der Zeit loben wir gewisse Handlungen immer seltener, da das Pferd das Konzept ja verstanden hat. Ein Beispiel hierfür ist das Hufe geben. Ich habe dies bis jetzt auch weiterhin gelobt, denn ich nehme es nicht als selbstverständlich an, dass das Pferd dies für mich tut. Aber nun denke ich, dass hierfür ein Danke angebrachter ist. Wenn wir also ein Lob dann einsetzen, wenn unser Pferd etwas neues lernt, so können wir ein Danke dann einsetzen, wenn wir unsere Wertschätzung ausdrücken wollen. Auch hier darf das Danke keine leere Worthüllse sein. Und ich meine, dass wir es auch nicht immer zwingend laut aussprechen müssen. Denn ich bin davon überzeugt, dass das Pferd unser Gefühl auch nonverbal lesen kann. Denn unbewusst verändern wir dadurch unsere Ausstrahlung und Körpersprache. Pferde sind Meister im Lesen dieser feinen Signale. Warum also nicht auch auf diese Art mit ihnen kommunizieren.

Im täglichen Zusammensein mit dem Pferd nehmen wir mit der Zeit einiges für selbstverständlich hin. Es wird zum Alltag. Ein Teil der Wertschätzung geht dadurch verloren, da wir uns dessen nicht mehr bewusst sind. Gerade in der heutigen Zeit empfinde ich es als wichtig, dass wir uns wieder mehr achten und uns auch vermeintlicher Kleinigkeiten bewusst werden. Für mich macht daher eine situationsabhängige Kombination aus Loben und Danken durchaus Sinn.

Wie mit jedem neues Konzept, muss man es einfach ausprobieren und sehen, wie es für einen funktioniert. Ich möchte dich daher ermutigen, den Unterschied zwischen Loben und Danken auszuprobieren. Ich würde mich sehr freuen, wenn du deine Erfahrungen mit mir teilen würdest. Hierfür kannst du gerne einen Kommentar hinterlassen oder mir eine Nachricht schicken.

Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken der feinen Unterschiede. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Luzia (Sonntag, 05 Februar 2017 23:13)

    Hallo Kristina
    Wiedermal ein super Beitrag! Du sprichst genau ein Thema an, welches ich mich in letzter Zeit (wenn auch vielleicht nicht ganz so bewusst) beschäftigt hat. Ich durfte letzten Herbst an einem Kurs in Tierkommunikation bei einer Bekannten von mir teilnehmen. Und auch wenn ich nach diesen 2 Tagen und der Lektüre von einigen themenbezogenen Büchern noch nicht behaupte, in der Lage zu sein einem Tier spezifische Fragen zu stellen und ihre Antwort darauf zu empfangen, war genau das was du ansprichst ein grosses Thema im Kurs.
    Eine eigene Übung bestand darin, dass wir für ca. 15 Minuten nach draussen gingen, und einfach versuchten, dankbar zu sein. Für alles, was wir sahen, was wir fühlten, was uns durch den Kopf ging. Denn es ist wirklich so, davon bin ich überzeugt, dass dies einen Einfluss hat, auf jedes Wesen in unserer Nähe. Das war auch etwas, was ich mitnahm zu meinem Pflegepferd, ganz allgemein als Einstellung. Ich versuche seither, ihm jedes mal über meine Gedanken zu übermitteln, wie glücklich ich bin, mit ihm alle möglichen Sachen machen zu dürfen und wie sehr er mir am Herzen liegt. Eben wie Dankbar ich bin, dass er so viel für mich tut.
    Und ich bin fest der Meinung, seither hat sich unsere Kommunikation stark verbessert (wir üben gerade erfolgreich an ersten Themen der Freiheitsdressur =D ).
    Ganz liebe Grüsse
    Luzia

  • #2

    Kristina (Montag, 06 Februar 2017 08:30)

    Liebe Luzia
    Vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrungen mit dem Thema! Ich bin mir auch sicher, dass es einen Einfluss hat. Als erstes sicher auf uns und daher dann auch auf die Pferde. Ich wünsche dir alles Gute für die weitere Zeit!
    Lieber Grus, Kristina

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