Longieren mit Körpersprache

In meiner Ausbildung zum Trainer C beim Schweizer Freizeitreitverband habe ich das Longieren mit dem Kappzaum kennen gelernt. Seitdem hat sich diese Form des Longierens in der Reiterwelt stark verbreitet. Man findet Kappzäume in allen Reitsportgeschäften und in allen möglichen Ausführungen. Auch ich habe das Kappzaumlongieren intensiv praktiziert, meinen Schülern Kappzäume empfohlen und entsprechend beraten. Doch wie ich ja bereits im letzten Jahr feststellen musste, ist diese Longierform für mich nur noch bedingt zielführend. In meinem Video Unwohlsein mit dem Kappzaum habe ich dies bereits thematisiert. Leider war es mir noch nicht möglich ein Video zum Longieren mit Körpersprache dazu zu erstellen. Aber dies werde ich hoffentlich noch in diesem Frühjahr nachholen.

 

Ich unterrichte aktuelle meine Schüler teils noch im Longieren mit dem Kappzaum, habe aber selber auf das Longieren mit Körpersprache umgestellt. Und bei Schülern, die es ebenfalls probieren, zeigen die Pferde ebenfalls schnell positive Entwicklungen.

 

Was für Ausrüstung wird für das Longieren mit Körpersprache gebraucht?

  • Stallhalfter, vorzugsweise mit einem feststehenden Ring für die Longe
  • Longe oder entsprechend langes Seil (Kletterseile oder ähnliches sind auch gut nutzbar)
  • Nach Bedarf Gerte oder Longierpeitsche für eine feine (!) Signalgebung

Warum kein Kappzaum?

Kappzäume gibt es in so vielen verschiedenen Formen, dass ich sicherlich nicht sagen kann, dass alle unpassend sind. Aber viele verrutschen, wenn sie nicht sehr eng verschnallt werden. Mit sehr eng meine ich bereits, dass keine 1-2 Finger unter dem Naseneisen platz haben. Andere sind weich gepolstert und verrutschen trotz relativ lockerer Verschnallung nicht oder kaum. Aber diesen begegne ich im Alltag nur äusserst selten. Auch mein Kappzaum ist ein schweres Modell und das Naseneisen rutsch gerne zu weit nach unten. Leichtere Modelle mit einer Fahrradkette als Kern, werden zwar locker verschnallt und dürfen prinzipiell verrutschen. Sie sind jedoch sehr scharf in der Anwendung und bedürfen sehr viel Kenntnis des Longenführers und eines sehr kleinschrittigen Ausbildungsweges*. Der Vorteil eines Kappzaumes ist, dass man mittig auf das Genick einwirken kann. Für mich ist dies aber Fluch und Segen zugleich. Pferde, mit Blockaden oder Verspannungen in der Wirbelkette, zum Beispiel Genick oder Halswirbelsäule, empfinden Schmerzen bei der Einwirkung über den Kappzaum. Selbst ohne Blockaden, haben wir einen grossen Hebel, der auf das Pferd wirkt. Ich sehe sehr viele Pferde, die darauf mit Unmut reagieren. Wir versuchen ihren Körper, wenn auch nach bestem Wissen und Gewissen, in eine Position zu bringen. Ich sehe nur selten Pferde, die dies "freudig" annehmen. Mit freudig meine ich, ohne Stressanzeichen in der Mimik und Gestik oder Ausweichbewegungen um Schmerzen zu vermeiden. Nun kann man sagen, man belegt das Longieren zum Beispiel mit dem Clicker positiv. Aber das kann für mich nicht der Weg sein.

 

Aber longieren mit dem Stallhalfter, geht das denn?

Ja, das geht, man muss nur wissen wie! Der Vorteil ist, dass ein übermässiger Hebel auf das Genick und die Wirbelkette des Pferdes wegfällt. Natürlich muss ein Pferd mit Blockaden so oder so entsprechend behandelt werden (Therapie), aber durch die freiere Arbeit kann uns das Pferd eher zeigen, wo seine Grenzen liegen. Wir können und sollen mit dem Longieren mit Körpersprache das Pferd nicht zwingen, eine unangenehme Haltung einzunehmen. Je weniger Hilfsmittel wir nutzen und je mehr wir uns mit unserer eigenen Körpersprache beschäftigen, desto eher merken wir die Grenzen des Pferdes und müssen sanfte Wege finden, das Pferd körperlich gymnastizierend zu fördern. Wir ziehen das Pferd nicht am Halfter in eine gewünschte Haltung. Wir setzen unsere Körpersprache ein und das Halfter mit Longe sind dabei einfach noch eine Verbindung zum Pferd. Wir können es später, oder auch gleich ganz, weglassen. Aber oftmals müssen Pferd und Mensch sich erst an die vermehrte Freiheit gewöhnen. Dann kann es helfen, über eine durchhängende Longe, bitte nicht auf dem Boden, Kontakt zu halten.

Wir longieren das Pferd auf einem möglichst grossen Reitplatz, nicht in einem Roundpen oder ähnlichem. Wir brauchen den eckigen Platz, um neben Volten verschiedener Grösse, auch Geraden und vom Reiten bekannte Lektionen auszuführen. Dazu gehören Lektionen wir aus und in der Volte wechseln, Kurzkehrtwenden und Schulterherein. Je mehr Abwechslung, desto interessanter und fördernder wird es für Pferd und Mensch.

 

Ziele des Longierens mit Körpersprache

Egal wie wir longieren, die Geraderichtung und Gymnastizierung des Pferdes, und dadurch auch des Menschen, steht im Vordergrund. Wir wollen Stellung, Biegung, Lastaufnahme, Balance positiv beeinflussen und fördern. Das Longieren mit Körpersprache schult das Pferd, ohne es einzuengen. Das Pferd darf sich äussern, darf frei lernen und genau wie wir mit der eigenen Balance experimentieren.  Wäre es nicht schön, wenn das Pferd sein erlerntes Körpergefühl mit auf die Weide nehmen kann? Je freier das Pferd lernen kann, wie auch in der gymnastizierenden Freiarbeit, oder auch beim Reiten durch die Einsetzung der Energie und sanften Körpersprache, desto tiefgreifender ist der Lernerfolg.

 

Ich kann dir nur empfehlen es auszuprobieren und die Veränderung in deinem Pferd zu beobachten!

Gerne unterstütze ich dich auf dem Weg mit deinem Pferd: Unterricht und Kurse


*Nachtrag: An einem feinfühligen und kleinschrittigem Aufbau ist natürlich nichts auszusetzen! Jedoch ist dies für mich eine Form des Dressur und ich versuche einen freieren Weg des Lernens zu finden!

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