Aktivierung - Das fehlende Puzzleteil

Nicht immer bemerkt man sofort, dass etwas fehlt. Ich habe es länger nicht gemerkt. Ich war immer an verschiedenen Themen dran und fühlte mich gut dabei. Ich bemerkte "Probleme" mit meinem Pferd und passte das Training entsprechend an. So wechselte ich zum Beispiel vom Longieren mit dem Kappzaum hin zum Longieren mit Körpersprache ohne Kappzaum. Dies gefiehl meinem Pferd besser. Es fühlte sich wieder richtig an und das tut es im Prinzip immer noch.

 

Doch dann kommt dieser Moment, in dem alles noch viel klarer wird. Als würde der Nebel sich lichten. Kennst du dieses Gefühl? Ich erlebe das zur Zeit sehr intensiv und möchte dich gerne daran teilhaben lassen.

 

Von Erwartungen und dem Begriff der Freiheit

Wie oben schon geschrieben, habe ich meine Art zu Longieren angepasst und erzielte erste positive Resultate damit. Doch dann wurde es wieder etwas schwieriger. Mein Pferd reagierte auf die Körpersprache nicht mehr ganz so, wie es es wollte. Also was tun? Einen oder mehrere Schritte zurück, anders kommunizieren, mehr Druck machen, Körpersprache dem Pferd erklären? Gerade die letzten zwei Möglichkeiten schienen nicht die Lösung zu sein. Dann kreiste immer wieder ein Satz in meinem Kopf, den ich irgendwo sinngemäss aufgeschnappt hatte (Wenn du weisst von wem dieser ist bitte sagen!): "Nur weil du deinem Pferd die Möglichkeit gibst zu gehen oder zu bleiben (in der Freiarbeit zum Beispiel), erwarte nicht von ihm aus Dankbarkeit zu bleiben!" Das heisst, wenn du deinem Pferd die Wahl lässt, habe nicht die Erwartung in ihn, dass er bleiben muss. Denn das Pferd muss dies gar nicht, vor allem nicht, wenn es frei wählen kann. Ansonsten wäre dies ja nur eine vermeintliche Freiheit. Ein interessanter Gedanke, der in mir kreiste. Und er führte mich zu dem Punkt, wo ich über meine Erwartungen nachdachte. Welche Erwartungen hatte ich an mich, welche an mein Pferd? Welche Erwartungen meinte ich, dass andere an mich hätten? Und dann stellte sich schnell auch die Frage nach der Freude im Zusammensein mit dem Pferd. Diese war zu dem Zeitpunkt sicherlich nicht komplett weg, aber Vorstellungen und Erwartungen waren sehr gross geworden und ich hatte gar nicht gemerkt, wie sehr mich dies ausbremste. Es lähmte mich fast und damit auch mein Pferd. Diesen Zustand habe ich erst ganz realisiert, als ich ein Video sah, das unten angefügt ist.

 

Die Veränderung

Zusammengefasst fühlte sich das Zusammensein mit meinem Pferd immer noch schön an, denn ich fühlte mich ihm sehr verbunden, aber nicht mehr so ungezwungen wie auch schon. Ich war nie besonders verkopft ans Training gegangen, setze uns keine riesigen Ziele oder trainierte speziell auf etwas hin. Wichtig war mir immer die Zufriedenheit und Gesundheit meines Pferdes. Und doch war ich nicht mehr so frei, wie ich es noch vor ein paar Jahren oder zum Beispiel auch als Kind gewesen sein muss. Dann sah ich, wie schon erwähnt, das unten verlinkte Video einer Frau, die mit ihrem Pferd tanzte. Auf sie und ihre Art mit Pferden umzugehen war ich durch eine Kollegin gestossen, die mir diesen Tipp gegeben hatte. Von Anfang an fand ich ihren Ansatz sehr spannend, aber die Umsetzung war noch sehr unklar. Dann, an einem Sonntag im Juli, schaute ich besagtes Video und ich sah unendliche Freude an Bewegung und dem gemeinsamen Zusammensein. Aber die Bewegungen waren nicht einstudiert. Zwar hatte ich das Gefülhl der Mensch löste einen Teil dieser aus, aber nicht als Lektion abgefragt oder ähnliches. Die Frau tanzte für sich und das Pferd tanzte mit. Und hier ist der springende Punkt: Die Frau tanzte für sich, ihrer Selbst wegen und mit dem Pferd. Sie schien sich frei zu fühlen, bewegte sich frei und ungezwungen. Man spürte ihre Freunde am Sein. Und das Pferd zeigte dies ebenso, dies auch als Reaktion auf ihren Zustand. Da wurde mir klar, dass mir ein wichtiges Puzzleteil im Zusammensein mit Pferden gefehlt hatte. Jedes Dieser Teile hat mehrere Ebenen und Inhalte. Es ist nicht ausgewchlosse, das auch noch weitere Teile fehlen bzw. im Verborgenen schlummerm. Aber dieses Teil ist der nächste Baustein, der das Bild weiter vervollständigt.

 

Die Puzzleteile

Oft habe ich bereits über Atmung, Zentrierung und Fokus geschrieben. Wie ich immer noch finde ganz wichtige Puzzleteile, vor allem die Zentrierung, die eine Ruhe und Besonnenheit mit sich bringt. Doch merkte ich nicht, dass der Gegenspieler fehlte bzw. nicht definiert war. Ich nenne es mal AKTIVIERUNG, die mit FREUDE und DANKBARKEIT einher geht. Zwar war ich nicht freudlos, ganz und gar nicht. Dies aus heutiger Sicht jedoch ein wenig unterdrückt, Etwas in mir hielt freudige Emotionen zurück, ich konzentrierte mich zu sehr auf Ruhe und Zentrierung. Ausserdem bremsten mich zum Teil erwähnte Erwartungen von innen und aussen aus. Nachdem ich das Video gesehen hatte wusste ich, dass ich meine Freude entfesseln musste, abseits von Technik, Kontrolle und Erwartungen. Eine Freude, Aktivität und AUTHENTIZITÄT, die sich in meinen Bewegungen und dem Gefühl klar und deutlich wiederspiegelt. 

 

Der Weg

Nun ist es natürlich nicht so, dass man einfach einen Kopf drückt und plötzlich ist alles anders, alles leicht. Das ganze ist ein Prozess, auf den man sich einlassen muss. Aber es ist wichtig den ersten Schritt zu gehen und danach den nächsten. Nach und nach wird sich alles zusammenfügen, ganz so, wie es sich jetzt bereits zusammenfügt. Ich freue mich festzustellen, dass ich eigentlich schon auf dem richtigen Weg war und dieser jetzt einfach immer breiter wird. Gerne möchte ich in den kommenden Wochen von meinen Erfahrungen berichten. Der Weg ist nicht frei von "Technik", denn Kenntnisse über die Biomechanik des Pferdes und Bewegungsideen sind durchaus sehr hilfreich. Aber im Vordergrund steht nicht das erzeugen einer Bewegung und die damit einhergehende Erwartung an sich und das Pferd, sondern das Raum dafür geben. Denn um auf das oben erwähnte Zitat unbekannten Ursprungs zurück zu kommen: Die Veränderung beginnt in uns und das Pferd ist FREI entsprechend darauf zu reagieren. 

 

Das Ziel

Dieser Weg hat durchaus ein Ziel. Es ist die Entfaltung von Potenzial und dadurch eben auch der gymnastizierung und Gesunderhaltung des Pferdes. Aber diese kann sich nur entwickeln, wenn wir dieser Entfaltung Raum geben. Wir sollten sie nicht durch Vorstellungen und Ansprüche einengen. Denn dann handeln wir wieder verkopft, planmässig und nicht emotional, intuitiv. Was nicht heissen soll, dass man anders nicht auch positives bewirken kann bzw. dass alles in Balance sein sollte. Aber gerade unsere Gefühle, gepaart mit Zentrierung und Aktivierung, können viel erstaunliches bewirken. Hierfür müssen wir unser eigenes Potenzial entfesseln und werden daran wachsen. Und soviel bereits vorab, es hat sich bei mir bereits sehr viel positives entwickelt. Darüber berichte ich in den kommenden Wochen. 

 

Hier jetzt das erwähnte Video:

Anna Marciniak von OneHorseLife

 

Ich hoffe meine Gedanken und das Video sind dir eine Inspiration für deinen weiteren Weg.

Zum Weiterlesen: Vom Loben und Danken

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Individuelles Freizeitreiten und Pferdetherapie

Kristina Gau Hiltbrunner

3035 Frieswil / BE

kristina@individuelles-freizeitreiten.ch

076 472 03 82



Kostenloser Newsletter