Ungezwungene Bewegung am Boden

Im letzten Artikel habe ich bereits vom Beginn meiner Reise erzählt, obwohl ich mich wohl ehrlich gesagt schon ein paar Jahre auf dieser befinde. Aber der Reiseplan wird nun immer klarer undeindeutiger. Nachdem ich das erwähnte Video gesehen hatte, begann ich bereits Zuhause mit vorbereitenden Übungen zur Aktivierung von einem ausgeprägterem Körpergefühl und Freude. Hierzu werde ich später auch noch etwas veröffentlichen. Heute geht es erst einmal um meine Erlebnisse im Zusammensein mit meinem Pferd am Boden.

 

Ein Geschenk
Am Montag nach besagter Sonntags-Inspiration ging ich also mit meinem Pferd auf den Platz. Ich nahm ihm sein Halfter ab und wir begannen zusammen zu gehen. Ich aktivierte meine Freude, ich lief, sprang und tanzte. Ganz frei fühlte es sich noch nicht an, aber es war ein Anfang. Dann fragte ich mich, ob mein Pferd Volten für mich laufen würde. Das hatte ich zuvor auch schon frei probierte. Jedoch versuchte ich, diese einzufordern. Ein Irrtum, wie ich heute finde. Diesen Fehler wollte ich nicht wieder tun und so passte ich mein Handeln und meine Gefühle entsprechend an. Geschenkt bekam ich ein paar wundervolle Volten und Ansätze dieser, wofür ich grosse Dankbarkeit empfand.

Traben ohne Zwang
Ein paar Tage später gingen wir wieder auf den Platz. Zuerst ritten wir und danach versuchte ich es noch einmal mit einem Tanz. Dieses Mal schaffte ich es, dass mein Pferd motivierter mit mir trabte. Seine Motivation und Aktivität war mir ein besonderes Anliegen. So lief ich nicht nur einfach neben ihm her, wie ich es zuvor gemacht hatte. Wir beide sprangen und flogen, es fühlte sich sehr viel leichter an und vor allem mit einander verbunden. Denn nur weil zwei Wesen nebeneinander laufen, heisst das noch nicht, dass sie wirklich eins sind.

Wieder ein paar Tage später kam der nächste grosse Entwicklungsschritt. Wieder nahm ich ihm sein Halfer ab, da es sich so richtig anfühlte. Ich ging los und er kam umgehend mit. Ich fühlte eine Art starkes Band zwischen uns. Wir liefen kreuz und quer über den Platz, über Stangen und um Tonnen. Wenn er etwas anschaute gab ich ihm Zeit und danach kam er ohne Aufforderung wieder mit mir mit. Dann wagte ich es, ich fing zu laufen an. Und er, ein Stück hinter mir, lief mit. Ich lief schnell, sprang und hüfte, und er kam voller Energie mit. Das war noch nie zuvor passiert, nicht ohne "Gertenhilfe" bzw. Aufforderung. Ich lief, weil ich laufen wollte. Ich lief nicht weil ich wollte, dass er mir folgt. Es klingt so ähnlich, macht aber einen riesigen Unterschied.

Lernen ist keine gerade Linie
Doch offenbar gibt es keine Entwicklung ohne zumindeste kleine Rückschritte. So verlor ich ein paar Tage später diese Ungezwungenheit und fiel in alte Muster des aktiven Erzeugens zurück. Mit dem klaren Ergebnis, dass man Pferd wieder nur unwillig mitmachte. Es war klar, die Leichtigkeit zu erzwingen funktionierte nicht. Um Leichtigkeit zu erzeugen muss man loslassen, körperlich und mental. Dazu muss man authentisch, sich selber sein. Das klingt so einfach, aber dies ist die wohl grösste Herausforderung. Denn zu oft sind wir nicht wir selber, sondern diejenige, die andere in uns sehen oder wie wir gerne wären. Zweiteres bringt uns zwar weiter in unserer Entwicklung, aber trotzdem dürfen wir uns nicht verstellen.

Bewegung an der Longe
Ein zwangloses Zusammensein ist keine Frage der Ausrüstung. So longierte ich diese Woche am normalen Stallhalfter. Wir experimentierten an Seitengängen, Trab in Stellung und Biegung und ich bekam auf der rechten Hand einen kurzen Galopp geschenkt. Das alles ohne stehenden Kontakt mit der Longe. Damit meine ich, vor allem für die Stellung, dass die Longe durchhing und den Kopf nicht durch Kontakt oder Zug positionierte. Je nach Pferd oder auch Tagesform, macht eine Longe durchaus Sinn. Ich sehe sie als Hilfe, in erster Linie als feine und direkte Verbidung zum Pferd. In anderen Sitautionen macht die Freiarbeit mehr Sinn. Dann können sich Mensch und Pferd ungezwungener fühlen. Schaut bitte einfach, was für euch und euer Pferd am jeweiligen Tag passt.

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