Nähanleitung für einen warmen Reitrock

In diesem Jahr habe ich mir meinen ersten Reitrock genäht. Seitdem sind je nach Bedürfnis noch weitere Modelle entstanden und ich mag sie wirklich sehr. Ein Reitrock bietet Schutz vor Wind und Wetter, kann den Sattel entsprechend mit schützen und ich mag es sehr, mit verschiedenen Hosen für darunter zu experimentieren. Aber ich muss betonen, ich bin absolute Nähanfängerin, wenn auch mit einer gewissen handwerklichen Begabung. Und doch sag gerne, würde sich jemand meine Röcke genauer anschauen (Schnittführung, Nähte u.s.w.), würde er oder sie in Ohnmacht fallen. Aber es erfüllt trotzdem seinen Zweck und gefällt!

 

Ich habe mein Schnittmuster von diesem Video genommen: Pattern for a riding-skirt

Da ich weiss, dass nicht jeder Englisch gut versteht und ich gemerkt habe, dass im Originalvideo ein paar Infos fehlen, vor allem was das eigentliche Nähen betrifft, möchte ich meine Version heute gerne mit euch teilen.

 

Grundidee des Rockes

Der Rock besteht auf zwei Stoffbahnen, die überlappend vernäht werden. Durch kann der Rock beim Reiten seitlich vom Bein fallen und auch den Sattel vorne und hinten mit eindecken. Auf dem Foto ganz unten kann man dies sehen oder zumindest erahnen.

 

Schwierigkeitsstufe: Einfach bis mittelschwer, je nach Ausführung und Erfahrung

 

Materialien

  • 3 Meter Stoff oder zwei Decken (siehe Foto)
  • Stecknadeln oder ein Schneiderkreide
  • Gummiband/Elastikband
  • Kordel, oder Band zum Pflechten, oder Druckknopf oder Knebelknopf
  • Massband
  • Schere/Stoffschere
  • Nähmaschine oder Nadel und Faden
  • Farbiges Garn
  • Notizmaterial für die Planung

Stoffauswahl

Als erstes muss man sich überlegen, was für ein Material man möchte. Ich habe mich für den Herbst-/Winter für einen Rock auf Fleece entschieden und mir dafür zwei entsprechende Decken gekauft. Solche bekommt man z.B. in Möbelgeschäften. Einfarbige Decken oder Stoffe sind in der Verarbeitung noch einmal einfacher, da man weniger auf die Ausrichtung des Musters achten muss. Auf dem Foto sieht man die Decken, die ich für meinen ersten Rock gewählt habe. Weiss ist nicht gerade pflegeleicht, aber die Farbauswahl war bei meinem Einkauf sehr begrenzt.

Weiteres Material

Neben dem Stoff braucht man noch ein Gummiband  für den Bund. Der Rock wird oben geschlossen sein.

Ausserdem finde ich es gut, wenn die beiden Stoffteile mit einem Knopf geschlossen werden können. Das hilft vor allem an windigen Tagen, wenn man in dem Rock steht und läuft. Den hinteren Knopf lasse ich beim Reiten oft zu. Für meinen später gezeigten Rock habe ich zwei Knebelknöpfe zum Verschliessen genutzt. Man kann aber auch aus Band einen einfachen Zierknopf machen. Alle benötigten Materialien findet ihr oben in der Liste.

 

Masse

Nun müssen wir Mass nehmen. Denn vor allem für die Länge des benötigten Stoffes kann dies von grosser Bedeutung sein.

Wir brauchen 2 Masse, den Taillienumfang und die gewünschte Länge des Rockes. Mit dem Massband messt euren Taillienumfang. Von dort aus messt, wie lang der Rock sein soll. Am besten zieht dafür eure Reitschuhe an. Ich empfehle den Rock nicht zu lang zu machen, damit man nicht drauf tritt. Im nachfolgenden Schnittmuster erkläre ich euch, was ihr mit euren Massen machen müsst.

 

Das Schnittmuster

Nun geht es zum Schnittmuste und eine kleine Rechnung, hier mit Hilfe von Beispielzahlen. Bitte nutzt für euren Rock eure individuellen Masse.

 

Bundumfang inkl. Überlappung:

Taillienumfang  76 cm

geteilt durch         2        =  38 cm

Zugabe                 20 cm =  58 cm (Zugabe=Überlappung)

geteilt durch         2         = 29 cm (Masse 1)

 

Länge des Stoffes:             95 cm (Masse 2)

Eventuell eine weitere Zugabe in der Länge für einen Saum.

Nun muss man den Stoff auslegen (1) und zu einem Dreieck (2) auslegen. Die Masse aus der Zeichnung müssen jetzt auf den Stoff übertragen und dieser dann ausgeschnitten werden (Masse 1 und 2). Ich habe dies mit Stecknadeln markiert. Die Länge misst man an mehreren Stellen aus, bevor man den Stoff schneidet (3 und 4). Das gleiche macht man dann auch mit der zweiten Decke. Es bleibt ein bisschen Stoff übrig, den wir später noch weiterverwenden können.

Auf dem Foto sieht man, dass ich nicht auf das Muster geachtet habe. Zum Glück gefällt es mir trotzdem sehr gut. Aber wie bereits gesagt, ein einfarbiger Stoff ist einfacher.

Fleece-Decken sind sehr einfach zu verarbeiten, da er nach dem Schneiden nicht ausfusselt, müss man die Schnittkanten nicht versäumern. Aber man kann dies zum Schutz trotzdem machen. Bei anderen Stoffen muss man dies auf jeden Fall berücksichtigen und am besten noch etwas Nahtzugabe berücksichtigen.

 

Jetzt müssen die beide Teile zusammengenäht werden. Bei den Massen haben wir eine Zugabe von 20 cm berechnet. Diese 20 cm brauchen wir jetzt für die Überlappung auf jeder Seite, ABER nur im Bereich des Bundes. Die Seiten bleiben offen. Man kann den Rock auch noch mehr überlappen lassen, zum Beispiel 30 cm. Aber weniger als 20 cm würde ich nicht nehmen. Wir legen den Bund nun entsprechend aufeinander  und vernähen diese mit der Nähmaschine oder per Hand. Das gleiche machen wir auf der anderen Seite.

Ist dies gemacht, ist der Rock in der Grundform fertig. Es fehlen nun noch der elastische Bund und die Verschlüsse.

 

Bündchen mit Elastikband

Für das Einnähen eines Gummi-/Elastikbandes in den Bund habe ich euch hier eine Anleitung verlinkt: Gummiband einnähen

Ich selber habe einfach eine Elastikband auf meine Taillie abgemessen. Dann habe ich den oberen Rand des Rockes nach innen umgeschlagen, angenäht, das Band in den so entspandenen Tunnel durchgezogen und vernäht. Dies ist die einfachste Variante, die im obigen Link auch beschrieben wird. Bei meinem Rock hat sich das Band etwas zu sehr gedehnt und muss bald ein weniger verkürzt werden. Aber mit dieser Variante sollte das schnell korrigiert sein.

 

Damit der Rock sich beim Reiten nicht ganz bis zum Bund öffnet, habe ich von oben aus ca. 20 cm der überlappenden Stoffbahn mit der darunter liegenden vernäht. Dadurch liegt der Rock noch näher am Körper bevor sich die Seitenteil öffnen und das Bein bedecken. Ob man das machen möchte ist jedem selber überlassen. Es kommt auch ein wenig auf die Schwere des Stoffes und die Länge der Überlappung an, wie sehr er sich öffnet.

 

Verschlüsse

Da ich mit meinem Rock auch viel laufe oder im Wind stehe, finde ich einen Verschluss noch sinnvoll, damit der Rock nicht durch den Wind aufgeht. Dafür habe ich hinten und vorne jeweils einen Verschluss angefügt. Es gibt hierfür verschiedene Möglichkeiten: Ein Knopfloch mit Knebelknopf, Druckknopf oder ein einfach gemachter Zierknopf.

 

Für meine hier gezeigte Version hatte ich einen Knebelknopf aus Fimo hergestellt, da ich keine Zeit hatte etwas passendes zu kaufen. Für das Knopfloch habe ich etwas vom übrigen Stoff genutzt, entsprechend zugeschnitten und angenäht.

Ich mag heute aber diese Ziervariante fast lieber. Da ich keine passende Kordel hatte, habe ich mir aus Band eine geflochten.

Eine Anleitung dazu findet ihr hier: Posamentverschlüsse selber machen

 

Das Endergebnis

Auf dem nachfolgenden Foto sieht man unten noch zwei Pulswärmer, die ich aus dem restlichen Stoff genäht habe. Ganz unten dann der Rock in Aktion.

Ich hoffe diese Anleitung ist hilfreich, dass ihr euch auch einen eigenen Rock nähen könnt. Bei Fragen bitte melden! Und jetzt viel Spass beim Nähen! :)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Individuelles Freizeitreiten und Pferdetherapie

Kristina Gau Hiltbrunner

3035 Frieswil / BE

kristina@individuelles-freizeitreiten.ch

076 472 03 82



Kostenloser Newsletter