Ich sehe dich

Während ich darauf warte, dass mein Pferd im Offenstall zu mir kommt, er braucht noch einen Moment um wach zu werden vom Dösen, schreitet der Senior der Gruppe um die Ecke und kommt zu mir. Er ist zu diesem Zeitpunkt 34 Jahre alt und stellt sich nah zu mir. Ich begrüsse ihn und frage, was ich für ihn tun kann. So darf ich ihn ein bisschen am Kopf kratzen. Über ein kinesiologisches Verfahren teste ich, ob er zum Beispiel gesundheitlich etwas braucht. Aber er möchte nur ein bisschen Aufmerksamkeit, die ich ihm sehr gerne schenke. Dann kommt es mir über die Lippen: "Ich sehe dich!" Kaum gesagt stutze ich, denn dies habe ich zuvor noch nie gesagt. Bekannt ist mir dieser Auspruch aus dem Film "Avatar" und bedeutet nicht nur sehen, sondern wahrnehmen und wertschätzen. Und genau so fühlt es sich an. Ich bin ganz ruhig, im hier und jetzt. Und ja, ich meine ihn nicht nur gesehen, sondern wahrgenommen zu haben. Ein besonderes Gefühl der Verbundenheit. Dann kommt mein Pferd dazu und forderte meine ungeteilte Aufmerksamkeit. 

Jetzt darf der Ausspruch "Ich sehe dich!" aber nicht zum Automatismus werden. Denn wenn die Achtsamkeit in den Hintergrund rückt, verliert es seine Bedeutung. Es ist nichts, was man "leichtsinnig" sagen sollte, wie vielleicht andere Formen der Begrüssung.
 
Meine Tipps für dich:
  • Nimm dir Zeit, wenn du zu deinem Pferd gehst
  • Sei präsent bei der Begegnung
  • Beobachte dein Pferd, überfalle es nicht
  • Versuche ein Gefühl der Verbundenheit aufzubauen
Unsere Pferde sind in vielerlei Hinsicht so ganz anders als wir. Aber genau wie der Mensch schätzen auch sie es wahrgenommen zu werden. So sollte es unser Anliegen werden, sehen zu lernen.

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Kristina Gau Hiltbrunner

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