Ein Pferd mit Trauma trainieren - Die Pferdeprofis

Facebook-Post vom 4. Februar 2018

 

Wer hat gestern auch die neue Folge "Die Pferdeprofis" auf Vox gesehen? Gerne möchte ich kurz erklären, was mir zum Training von Bernd Hackl in den Sinn kommt.

 

Er arbeitet nach dem Prinzip "pressure&release", also mit Druck und nachgeben des Drucks. Auf diese Art möchte man die Aufmerksamkeit des Pferdes gewinnen und zur Führungsperson werden. Ich habe in der Vergangenheit auch diese Technik angewendet, von daher ist mir klar, wovon wir hier sprechen. Druck ist nicht prinzipiell etwas schlechtes. Für das Pferd kommt mehr darauf an wie und welche Form es eingesetzt wird. Das Gefühl ist entscheidend!


Im Fallspiel wird im Roundpen gearbeitet. Das Pferd hat hier nur die Möglichkeit aussen herum zu laufen, dir Richtung zu wechseln oder hinein zum Menschen zu kommen. Das Ziel ist es, dass es hineinkommt und sich dem Menschen anschliesst. In einem Picadero oder auf einem Reitplatz, könnte es die Distanz zum Menschen vergrössern und sich in Ecken zurück ziehen. In der gezeigten Art des Trainings möchte man dies aber nicht. Man möchte möglichst effizient arbeiten und vor allem seine eigene Meinung zum Ausdruck bringen.


Nun macht der Mensch also Druck, damit das Pferd sich bewegt und am Ende davon überzeugt ist, dass der Mensch eine tolle Führungsperson ist. Das Pferd wirkt zwar frei, hat aber keine andere Wahl als sich anzuschliessen. Was es dabei nicht lernt ist Vertrauen zum Menschen zu haben und eine echte Kommunikation zu beginnen. Es schliesst sich zwar dem Menschen an, dies aber nur um dem nicht aufhörenden unangenehmen Reiz zu entgehen. Daraufhin wird für den Menschen auch das weitere Training einfacher. Denn das Pferd hat gelernt, diesem besser zuzuhören, um Druck zu vermeiden

 

Für mich wird hier ein Pferd zum Funktionieren gebracht. Auf die eigentlichen Bedürfnisse wird nicht eingegangen, was sich auch beim späteren Reiten durch die Besitzerin zeigt. Die Fersen hämmern einfach unaufhörlich in die Rippen des Pferdes, damit dieses weiterläuft.

Ich kann mir gut vorstellen, dass für die Besitzerin jetzt vieles einfacher wird. Aber für mich entstehen so keine Freundschaft und Vertrauen. Und das ist es doch eigentlich, was Pferdemenschen suchen. Aber wenn wir dem Pferd so gerne beweisen möchten, dass wir kein Raubtier sind, warum verhalten wir uns dann immer noch so? Pferde untereinander kommunizieren nicht auf diese Art und werden dann zu engen Freunden. Das ist einfach ein Trugschluss.


Wer gerne erfahren möchte, was für mich in einem solchen Fallbeispiel wichtig wäre, kann gerne einen Kommentar hinterlassen. Ich versuche dann mal ein paar Eckpunkte aufzuschreiben. Das wäre dann jedoch kein Trainingsplan! Denn jedes Pferd ist individuell und möchte in kein festes System gezwängt werden. Daher entscheidet jedes Pferd über den Trainingsablauf mit.

Hier die Infos zur Sendung: https://www.vox.de/cms/sendungen/die-pferdeprofis.html

 

Meine Herangehensweise

Meiner Meinung nach muss man zwei Dinge unterscheiden: Ursache und Symptome. Das Verhalten, dass korrigiert wird, ist in aller Regel das Symptom. Das ändert erst einmal nichts daran, dass das Pferd vielleicht seit dem Absetzen Trennungsangst hat und lieber in Pferdegesellschaft ist, als in menschlicher. Über eine individuell abgestimmt Therapie können solche tiefsitzenden Traumata behandelt werden. Das kann bereits einen grossen Unterschied machen. Und dann geht es um Vertrauensarbeit. Hier ist vor allem der Mensch gefordert an sich zu arbeiten, sich zu hinterfragen. Achtsamkeit hilft uns, Problemverhalten gar nicht erst entstehen zu lassen. Denn wenn es erst zu spät ist, bleibt uns mehr oder weniger nur Druck, um die Situation zu lösen. Ich denke das Einfühlungsvermögen kann es teilweise schwierig machen, es ist aber für mich eine Grundvoraussetzung. Dann braucht es Klarheit über die eignen Stärken, Wünsche und das Körpergefühl mit Zentrierung, um dem Pferd die nötige Sicherheit zu geben. Ich finde es wichtig die Freundschaft mit dem Pferd an den Anfang zu stellen, nicht erst einen Gehorsam und dann folgt die Freundschaft hoffentlich auf irgendeine Art. Das Ziel ist sicherlich immer das gleiche, nur der Weg dahin kann sehr unterschiedlich sein!

 

Also meine ungefähre Herangehensweise:

  1. Mögliche Traumata therapieren
  2. Vertrauen aufbauen, Kämpfe vermeiden
  3. An den eigenen Fähigkeiten und Qualitäten arbeiten
  4. In kleinen Schritten neue Herausforderungen annehmen. Dabei Probleme/Kämpfe gar nicht erst entstehen lassen. Dies aber nicht durch Vermeidung, sondern durch bewusste Herangehensweise
  5. Immer wieder Pausen geben, ohne etwas vom Pferd zu fordern, erwartungsfrei. Gemeinsame Zeit verbringen, füttern, grasen usw. Dadurch das gegenseitige Verständnis fördern.
Es gibt so viele Wege. Jeder muss seinen finden. Ich hoffe mit meinen Ideen dabei helfen zu können!

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Kommentare: 2
  • #1

    Sonja Burgemeister - Liberty Balance Training (Sonntag, 18 Februar 2018 10:52)

    Liebe Kristina, ich möchte dir einfach gerne zu diesem gelungenen Beitrag gratulieren. Ich stimme dir in allen Punkten zu. Du hast deine (und auch meine) Gedanken in ganz tolle und klare Worte gefasst.
    Lieben Gruß, Sonja

  • #2

    Kristina Gau Hiltbrunner (Sonntag, 18 Februar 2018 11:07)

    Danke dir liebe Sonja. Das freut mich sehr! Ich musste da einfach etwas zu schreiben und bin froh, offenbar die richtigen Worte gefunden zu haben.

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Kristina Gau Hiltbrunner

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