Was tun, wenn das Pferd immer anderer Meinung ist?

Ich möchte heute von einer Kundin und ihrem Pferd erzählen. Es ist eine Geschichte, die im Dezember 2017 begonnen hat und sie handelt von einem Pferd, das sich Tag für Tag mehr vom Nein-zum Ja-Sager entwickelt.


Lunja ist eine 5 Jahre alte Freibergerstute. Als ich sie das erste Mal traf, war sie gerade erst in ihren neuen Stall gezogen. Sie wirkte verunsichert und doch auch stark im Charakter. In den kommenden Wochen entwickelte sie sich zur ausgeprägten Nein-Sagerin. Der Mensch wollte vorwärts, sie ging rückwärts. Der Mensch wollte nach links gehen, sie zog nach rechts. Totale Opposition, aus Prinzip dagegen. So erschien es uns. Es war an der Zeit, die Situation grundlegend zu ändern. Wir mussten uns ändern! Wo andere Menschen sagen, man müsse doch mehr mit dem Pferd machen, sich durchsetzen, Reiten gehen und ihr etwas beibringen, empfahl ich der Besitzerin etwas anderes. Denn wenn wir nicht mit ihr kämpfen wollten, was am Strick rupfen, immer korrigieren und mit Strafen zu tun gehabt hätte, mussten wir die Beziehung an erste Stelle setzen. Ziel der kommenden Wochen war es, eine zwanglose Beziehung aufzubauen. Dazu gehörte es genau zuzuhören, was sie sagte. Wie viel Nähe konnte sie zulassen? Was sagte ihre Mimik, ihre Körpersprache. Zu was sagte sie gerne Ja? Zu was eher Nein? Wie konnten wir uns als Mensch für sie interessant und wichtig machen, ohne sie zu etwas zu zwingen? Denn Zwang hatte immer ein Nein zur Folge.

Die ersten Erfolge kamen sehr schnell und für die Besitzerin und mich in der Geschwindigkeit fast auch etwas unerwartet. Mit einer solch  schnellen Veränderung hatten wir gar nicht gerechnet. Die Stute öffnete sich und fing an, sich für den Menschen und eine gemeinsame Kommunikation zu interessieren. 
Bei meinem letzten Besuch diese Woche stand sie am Abend in ihrer Laufstallbox an ihrem Heunetz. Futter ist für sie sehr wichtig und sie hat noch Angst davor, darin limitiert zu werden. Wir konnten ihr das Halfter anlegen und standen erst einmal einen Moment lang mit ihr am Heu. Dann überzeugte ich sie eine Runde mit mir durch die Box zu gehen. Sie erschien aufgeschlossen und interessiert. Das reichte mir schon als Lernschritt. Ich versuche Überforderung und schlechte Erfahrungen zu vermeiden. Gerade, wenn ein Pferd anfängt zu vertrauen, muss man besonders gut aufpassen. Ich zog das Halfter ab und ging mit der Besitzerin nach draussen, um ihr eine Übung für eine sanfte Hilfe am Strick zu zeigen. Keine 20 Sekunden später stand Lunja mit uns draussen. Der Blick aufgeweckt und fragend, was wir denn noch machen könnten. Sie hatte ihr Heu noch nicht aufgefressen und suchte aktiv die Kommunikation. Dies war ein solch wunderbares Gefühl und alles andere als selbstverständlich. So entschieden wir uns noch etwas mit ihr zusammen zu machen, was weitere Lernschritte zur Folge hatte, ohne sie dabei zu überfordern.

Dieses Beispiel zeigt, dass eine zwanglose Kommunikation immer beim Menschen beginnt. Wenn wir auf sanfte Art aus einem Nein-Sager einen Ja-Sager machen wollen, dann müssen wir zuerst das Nein akzeptieren lernen. Die Meinung des Pferdes muss uns wichtig sein, damit es sich wahrgenommen fühlt. Dann kann daraus eine tiefe Beziehung entstehen. Wir müssen darfür nicht mit dem Pferd flüstern, wir müssen lernen zuzuhören.

Ich bin gespannt, wie es mit Lunja weitergehen wird. Aber auf jeden Fall sind wir auf dem Weg zu Vertrauen und Harmonie.

Du möchtest, dass dein Pferd auch zum Ja-Sager wird? Dann melde dich unverbindlich bei mir:

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Kristina Gau Hiltbrunner

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