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Gabor - Tag 5-6

Gestern besuchte ich Gabor nur kurz. Er war deutlich ruhiger als am Dienstag und mir gegenüber schon wieder aufgeschlossener. Daher dachte ich mir, ich könne heute einen kleinen Spaziergang mit ihm machen. Vielleicht auch nur etwas Gras fressen lassen, einfach gemeinsame Zeit verbringen. Leider sollte sich das als eine Fehlentscheidung darstellen. Auch heute erschien er mir ruhiger, daher zog ich ihm das Halfer an und wir verliessen die Weide. Sofort fing er zu wiehern an, tänzelte und zeigte deutlich, was er von meiner Idee hielt. Wir gingen ein Stück, ich liess ihn etwas Gras fressen. Aber er war sehr nervös und wollte unbedingt wieder in den Auslauf zurück. Ich entschied, dass es noch zu früh war und brachte ihn wieder zurück. Auch das war jedoch nicht ganz einfach, da nun, von seinem Rufen angelockt, die ganze Herde am Tor stand. Mit Hilfe der Hofbesitzerin brachte ich ihn dann in die Herde.

Gabor ist eine besondere Persönlichkeit. Das war mir vom ersten Moment an bewusst. Er ist heute schon etwas mehr in der Herde angekommen, aber hat noch nicht seine Position gefunden. Für mich eindeutig ist, dass er nach der Verantwortung strebt. Ganz nach dem Motto: "Gabor for President!"

Er klärt mit einzelnen Pferden die Rangordnung, kontrolliert heute intensiv alle Pferdehaufen und markiert bei einzelnen darüber. Deshalb war meine menschliche Idee, etwas mit ihm zu machen, aus seiner Sicht total daneben. Für so etwas hat er beim besten Willen keine Zeit! Ich werde ihm diese Zeit geben und sehen wie es sich entwickelt. Auf jeden Fall werde ich mich heute noch einmal intensiv mit seinem Charakter beschäftigen, um für die Zukunft die möglichst passende Herangehensweise zu haben. Das zeigt wieder einmal deutlich, dass jedes Pferd anders ist, eine eigene Persönlichkeit. Methode XY wird es in meinem Training nicht geben, und auch nicht der Wunsch nach schnellen Ergebnissen. Denn die erreicht man in solchen Fällen wohl nur mit Druck und dem Versuch, dem Pferd zu beweisen wer hier das Sagen hat. Ja, ein Pferd muss sich in Situationen der Entscheidung des Menschen anschliessen. Denn sonst kann es auch mal gefährlich werden. Aber ein Pferd dominieren zu wollen, ist seit langem nicht mein Ansatz. Ich freue mich daher auf diese neue Herausforderung.

Mein Tipp an Dich: Versuche nicht Fehler um jeden Preis zu vermeiden. Aber lerne aus Deinen Fehlentscheidungen!

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Kommentare: 1
  • #1

    Simone Bauer (Donnerstag, 26 April 2018 17:11)

    Super und sehr interessant. Ja ich erinnere mich als ich mein Camaro ab und zu aus der Herde nehmen musste. Nicht einfach, er war dazumal der Chef. Ich erlebte das der Unterchef jedes Mal wenn ich ihn am Führstrick hatte (er war angebunden) dieser von hinten kam um ihn anzugreifen. Der wusste genau jetzt musste meiner auf mich Rücksicht nehmen und konnte sich nicht wehren resp. kämpfen. Das war gar nicht immer einfach. Ich musste den Stick oder Geisel als "Waffe" mitnehmen. Auch wenn sie dann in der Gruppe Chef sind fühlen sie sich für diese Verantwortlich und das Verlassen ist nicht einfacher.... Hut ab es wird auf jeden Fall klappen. Aber keine leichte Aufgabe, hingegen wie Du sagst sehr interessant und toll dass Du ihn nicht überforderst. Er ist sicher in dieser neuen Situation genügend gestresst. Ich sah dies mit Historia, jede neue Situation Pferd-Stall machte ihr Stress. Einmal gut im Einklang ist sie auch viel ruhiger geworden. Das braucht Zeit.

Kristina Gau Hiltbrunner

3035 Frieswil / BE

kristina@individuelles-freizeitreiten.ch

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