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Die Skala der Jiyuma-Pferdeausbildung

Ich habe vor etwa 2 Jahren bereits einen Artikel zur Skala der Reiterausbildung geschrieben. In 2018 sind dazu die vier Bausteine entstanden, die auf der Skala aufbauen. Natürlich hat auch die Pferdeausbildung eine Skala, an der sie sich orientiert. Diese möchte ich in diesem Artikel genauer beschreiben.

 

Ich habe die Ausbildungsziele bewusst linear aufgeschrieben, denn sie können oftmals nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Sie sind voneinander abhängig und beeinflussen sich gegenseitig.

 

Losgelassenheit  -  Balance  -  Energie  -  Verbindung-  Takt  -  Kraft

 

Ein Teil dieser Ziele der Ausbildung werden in den Bausteinen I-III bereits thematisiert. Andere kommen beim Baustein IV, der Schulung am Boden und im Sattel, neu hinzu oder werden verfeinert. Die Skala unterscheidet sich von der offiziellen Ausbildungsskala z.B. der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, da für mich andere Faktoren zu anderen Zeiten eine Rolle spielen, damit Mensch und Pferd in Harmonie miteinander kommunizieren können.

Losgelassenheit

Mit der Losgelassenheit fängt für mich alles an und es ist Teil von allen weiteren Schritten. Es ist für mich ein Zustand, der mentale und körperliche Aspekte vereint. Körper und Geist befinden sich in einer Entspannung bzw. in einem positivem Spannungsverhältnis. Ohne Losgelassenheit kann lernen nicht stattfinden.  Sei es, dass das Pferd sich mental nicht konzentrieren kann, oder Spannungen im Körper es blockieren. Das Zen-Pferde-Training setzt einen ersten wichtigen Impuls für die mentale Losgelassenheit und greift auch auf körperliche Aspekte zu. Dies versetzt das Pferd in die Lage, sein Potenzial zu entfalten. Das Vertrauen zwischen Mensch und Pferd ist hierfür entscheidend, sowie das Verständnis des Pferdes darüber was unsere Intention ist, was durch gezieltes loben gefördert wird. Bei gesundheitlicher oder mentaler Disbalance hilft die Jiyuma Balance Therapie diese sanft und nachhaltig auszugleichen, um die Losgelassenheit zusätzlich zu fördern.

 

Balance

Balance ist der nächste wichtige Grundstein in der Pferdeausbildung. Das Pferd lernt in der Bodenschule seinen Körper kennen. Wir helfen ihm ohne das Reitergewicht in Balance zu laufen. Die natürliche Händigkeit des Pferdes wird analysiert und dieses mehr ins Gleichgewicht gebracht. Ich spreche hier nicht mehr von einer Geraderichtung. Ich finde diesen Begriff übertrieben. Aber die Gymnastizierung hilft dem Pferd geschmeidiger, beweglicher und kraftvoller zu werden. Dies mit Übungen zur Stellung und Biegung, sowie gezielten Seitengängen und anderen Balanceübungen. Auch der Mensch muss sich hiermit ausgiebig beschäftigen, denn die eigene Schiefe beeinflusst das Pferd vor allem vom Sattel aus.

 

Energie

In erster Linie können wir sehr viel über Energie von den Pferden lernen. Energie ist für mich zum einen das Bewusstsein, als auch die innere Kraft die alles antreibt. Die Lebensenergie Chi muss im Körper frei fliessen können. Aber selbst wenn sie es kann, konzentriert sie sich manchmal in einzelnen Bereichen. So kann ein nervöses Pferd sehr viel Energie in einer oberen Energieebene haben, die es noch agiler und nervöser werden lässt. Auch Routine hilft hier oft kaum weiter, denn das Pferd findet keine Möglichkeit, die Energie zu erden und damit ruhiger zu werden. Träge wirkende Pferde brauchen erst einmal nicht mehr Schwung, sondern ein anderes Gefühl für seinen Energiezustand. Wir als Mensch können den Pferden aber dabei helfen. Je bewusster die Energie eingesetzt werden kann, desto leichter und harmonischer werden Bewegungen und umso ausgeglichener wird das Wesen.

 

Verbindung

Diesen Punkt hatte ich ursprünglich Anlehnung genannt. Aber das passt nicht dazu, was ich meine. Oftmals wird der Begriff Anlehnung auf die Art der Zügelverbindung angewendet. Das Pferd soll den Zügel und damit  das Gebiss ohne Gegenwehr annehmen und fein auf beides reagieren. Es soll hierfür im gesamten Körper weich bleiben und fein auf die Hilfen eingehen. Da ich über Impulse kommuniziere, ist der Begriff Verbindung passender.

Für mich ist Verbindungerst einmal ein mentaler Zustand. Hierbei geht es zu Beginn nicht darum, dass das Pferd all unseren Signalen perfekt folgt. Es geht vielmehr darum eine mentale, beim Reiten zudem körperliche, Verbindung zum Pferd herstellen. Diese muss immer bei uns beginnen und wir können das Pferd nicht dazu zwingen. Da es für mich im Geist beginnt kann es auch Verbindung oder Anlehnung geben, wenn der Zügel durchhängt. Und es beginnt für mich am Boden, wo wir den Grundstein für eine harmonische Verbindung legen. Sind Mensch und Pferd in einer dynamischen Verbindung, scheinen beide ihre Gedanken lesen zu können.

 

Takt

Der Takt des Pferdes kommt vor allem dann durcheinander, wenn der Mensch sind einmischt. Das zusätzliche Reitergewicht und eventuell Taktprobleme des Reiters sorgen dafür, dass es Taktschwierigkeiten bekommt. Daher ist zu Beginn immer wichtig, dass der Mensch seine eigenen Fähigkeiten überprüft. Danach kann er dem Pferd bei Bedarf mit gezielten Übungen helfen. Dies ist möglich durch Stangen am Boden, oder auch Tempounterschiede innerhalb der Gangart. Ein Pferd mit auffallenden Problemen mit dem Takt, sollte zwingend in Bezug auf Passform der Ausrüstung, Schwere des Reiters, Hilfengebung des Menschen und auf Verspannungen oder Blockaden untersucht werden.

 

Kraft

Wenn wir ein Pferd ausbilden und fördern, ist das Thema Kraft sehr wichtig. Dies auch, wenn wir nicht reiten wollen. Optimale Kraft kann nur entstehen, wenn die ersten viel beschriebenen Punkte auch bereits gefördert werden. Denn ohne gezielte Richtung, Balance, Losgelassenheit und Energie, kann Kraft nicht optimal gefördert werden.  Besonders aber wenn wir Reiten, und das bitte in Intervallen, dann müssen wir die Kraft langsam fördern. Muskulatur, die das Reitpferd braucht kann nur durch Reiten gefördert werden. Doch ein sinnvoll gestalteter Muskelaufbau vor der Reitausbildung ist zwingend notwendig.

 

Wie bereits erwähnt dürfen die einzelnen Ziele nicht einzeln betrachtet werden. Manche braucht man als Voraussetzung für andere und manche brauchen einander gleichzeitig.


Auf dem Foto sieht man den damals 4,5 jährigen Konik Polski Hengst Gabor, der noch am Anfang der Ausbildung stand. Durch das Leben auf der Junghengstweide hatte er bereits ein ausgeprägtes Körpergefühl. Jedoch nutzte er im Trab noch besonders seine Unterhalsmuskulatur. Dies jedoch vor allem, da ihm noch die mentale Losgelassenheit für die Gangart fehlte. In seinem Training ging es daher vor allem um den ersten Punkt der Ausbildungsskala, in Kombination mit einem anderen Balancegefühl auf dem Reitplatz und der Anlehnung.