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So sind Pferde - ein kleiner Messebericht

Lautes Wiehern hallt durch die Messehalle. Nervös dreht die kleine Stute ihre Kreise in der Box, während sie nach ihrem Freund ruft. Dieser scheint noch in einer Vorführung zu sein oder startet an einem Reitwettbewerbe, der in der grossen Halle stattfindet. Unzählige Besucher laufen an der Box vorbei, schauen hinein. Es dauert Stunden, dann endlich ist ihr Freund wieder da. Noch einmal lautes Gewieher im Moment des Wiedersehens, dann kehrt Ruhe ein. Etwa fünfzehn Minuten später öffnet sie die Boxentüre der kleinen Stute. Sie wird gesattelt und für eine Vorführung bereit gemacht. Wenig später steht sie vor der kleinen Arena der Messehalle, die aus Pannels aufgebaut wurde. Rings herum stehen Menschen und beobachten sie. Ein Luftballon zerplatzt und sie erschrickt kurz. Dann wird sie hinein geführt und die Vorführung geht los. Der Trainer zeigt dem Publikum, worauf es ihm bei der Pferdeausbildung ankommt. Sie folgt ihm, was gewünscht ist. Aber er möchte, dass sie ihren Abstand zu ihm nicht verringert.  Folgen ja, aber den Abstand gleich behalten. Dabei hätte sie gerade jetzt vielleicht gerne Zuspruch und Nähe. Doch sie wird wieder auf den vorherigen Abstand zurück geschickt, während der Trainer erklärt warum und wie er das macht. Sie reagiert dabei auf feinste Signale.

 

Wie es weiter ging kann ich leider nicht berichten. Ich konnte es mir nicht weiter anschauen. Zum Glück bleiben die meisten Pferde immer nur wenige Tage an der Messe die 10 Tage dauert und so ist auch die kleine Stute jetzt wohl wieder in ihrer gewohnten Umgebung. Zumindest war sie ein paar Tage später nicht mehr dort.

 

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass die Bedürfnisse der Pferde noch zu oft nicht gesehen werden und einige Ausbildungsmethoden eher den Wunsch des Menschen nach "Macht" befriedigen, als den Wunsch des Pferdes nach Harmonie. Dabei geht es mir nicht darum, dass man auch mal Grenzen setzen muss. Auch in meiner Ausbildung ist nicht immer alles nur positive Verstärkung. Aber wie Verhalten interpretiert wird ist doch sehr verschieden. Jeder Mensch hat diesbezüglich seinen ganz eigenen Filter. Der eine sieht ein Pferd, das den Abstand verringert was korrigiert werden muss. Ein anderer sieht ein Pferd, das verunsichert ist und Nähe brauchen kann. Dazwischen sind ganz viele Bereiche, die jeder Mensch anders bewerten wird. Wichtiger als unsere Einschätzung ist aber die des Pferdes. Nur das Pferd entscheidet darüber, wie es etwas empfindet. Dies zu erkennen und entsprechend darauf einzugehen ist die grosse Herausforderung eines Pferdemenschen. Er muss dafür lernen, über eine Ausbildungsmethode hinweg zu sehen und die Situation als solche wahrzunehmen.

 

Pferde pflegen enge Freundschaften, die ihnen Sicherheit und Wohlbefinden geben. Es ist gut möglich, dass die kleine Stute ihren Boxennachbar gar nicht enger kannte. Verbindungen knüpfen sich je nach Situation innerhalb von kürzester Zeit, wenn es für die Sicherheit wichtig erscheint. Und eine Messe ist auf viele Pferde, die es nicht gewohnt sind, ein Ort, der sehr bedrückend und beängstigend wirken kann. Ich habe noch weitere solcher Beispiele gesehen.

 

Und dann waren da noch die Fohlen mit ihren Müttern. Auch sie werden an der Messe ausgestellt und in Vorführungen vorgestellt. In der kleinen Arena sollen sie offenbar vor allem zeigen, wie toll sie laufen können. Dafür sind sie "frei" und ein Mensch steht mit einer Peitsche oder einen Fahnenstock in der Mitte und treibt die Mutter an. Das Fohlen folgt ihr dann entsprechend. Eines der Fohlen zeigte dabei sehr deutlich, was es von dem Druck von hinten hielt. Es keilte mehrfach in Richtung des Menschen aus und zeigte Anzeichen von Frust und Ärger. Andere bliebe  da ruhiger und galoppierten Runde um Runde zusammen mit der Mutter im engen Kreis. Ich möchte dabei zu bedenken geben, dass ein einziges solches Erlebnis reicht, dass ein Pferd zum Beisiel Angst oder Abwehr gegen eine Longierpreitsche oder ähnliches zeigt. Ein emotionaler Zustand, der nur schwer oder auch gar nicht zu korrigieren ist. Wenn Fohlen gezeigt werden, was sicherlich auch hinterfragt werden kann, dann bitte in ihrem natürlichen Verhalten. Es sollte egal sein, ob sie laufen, spielen oder sich hinlegen. Finden das manche Zuschauer langweilig? Ja, das ist gut möglich. Aber es ihnen zu erklären, damit es endlich ein Umdenken gibt, ist durchaus möglich und sollte angestrebt werden.

 

Aber es gab auch Pferde und Ponys, die insgesamt zufrieden wirkten. Man kann es klar nicht verallgemeinern, dass eine Messe immer erhöhten Stress bedeutet. Doch in mehreren Fällen war klar, dass das Pferd lieber wieder nach Hause gebracht werden sollte. Denn ein Lernen mit dem Stress umzugehen fand nicht statt. Weder der Mensch hatte dafür eine geeignete Strategie, noch das Pferd selber. Stattdessen musste diese Pferde tagelang dort bleiben, was ich nicht unterstützen kann. Egal welche Zusagen man für Messeauftritte gemacht hat, wenn das Wohl des Pferdes nicht gegeben ist, zählt das alles nicht mehr. Dann muss man für das Pferd entscheiden!

 

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass es noch viel zu tun gibt. Dabei meine ich vor allem eine bessere Reiterausbildung und Sensibilisierung des Publikums in Hinblick auf ethologische und ethische Zusammenhänge. Nur dann kann eine solche Veranstaltung Mensch und Pferd gerecht werden.

Pferdeboxen an der Pferdemesse in Bern
Pferdeboxen an der Pferdemesse in Bern