· 

Versammlung für Freizeitpferde - Ein Kursbericht mit Ute Wermann

Das Thema "Versammlung" ist bei vielen Freizeitreitern gar nicht beliebt. Gerade wer am liebsten ins Gelände geht, möchte sich meiner Erfahrung nach nicht damit beschäftigen. Mir ging es auch sehr viele Jahre so. Das liegt aber meiner Meinung nach nicht an der Versammlung selber, sondern an negativen Bildern, die damit in Zusammenhang gebracht werden. Gerade der Turniersport hat dort viel Schaden angerichtet. Man sieht dort Pferde mit zugeschnürten Mäulern, die Zügel fest angenommen, das Bein mit Sporen schiebend. Nein, das möchte auch ich nicht und auch kein Pferd! Aber das ist NICHT Versammlung. Das ist eine Fehlentwicklung auf Kosten der Pferde. Und es hat auch lange nichts mit den "Alten Meistern" wie F. Baucher zu tun, die Reiten zu einer Kunst erhoben. Doch das andere Extrem geht eben auch auf Kosten der Pferdegesundheit. Wenn die Zügel nämlich durchhängen, ohne dass das Pferd sich tragen kann, läuft es automatisch vermehrt auf der Vorhand und verschleisst seinen Körper. Das wirkt dann zwar sehr gemütlich und entspannt, ist aber auf lange Sicht nicht zielführend.

 

Seit meinem Kursbesuch bei Ute Wermann zum Thema "Ur-Légèreté nach F. Baucher" beschäftige ich mich wieder intensiv mit diesem Thema. Nach nur einem Kurstag hat sich vieles bei mir verändert.

 

Einiges war schon vorher im Gang. Aber ganz extrem fällt mir jetzt auf, wie sehr die Pferde geritten auf der Vorhand laufen. Ich habe es zuvor einfach nicht in diesem Ausmass gesehen, denn es ist leider so ein normales Bild auf Fotos und im Alltag. Auch das Thema des Schubes durch die Hinterhand sehe ich heute in einem anderen Licht. Und obwohl ich bereits in die Richtung Versammlung arbeiten wollte, war mir der Weg noch nicht ganz klar. Denn diese Details wurden im Laufe der Zeit für mich immer wichtiger:

  1. Dem Pferd durch die Aufrichtung und Versammlung helfen, nicht es in eine schädliche Form pressen.
  2. So wenig wie möglich Vorwärts-Abwärts/Dehnungshaltung mit Kopf bis max. Buggelenk fordern, um die Vorhand nicht noch weiter zu belasten.
  3. Mit feinsten Impulsen Reiten und dem Pferd eine selbstständige Versammlung ermöglichen, damit es den Zügel nicht in Anlehnung und das Bein nicht treibend braucht.

Mir ist bewusst, dass Vorwärts-Abwärts in den meisten Ausbildungen nicht das Endziel ist, sondern als Voraussetzung angesehen wird. Jedoch sehe ich dabei wirklich vermehrt Probleme und diese zeigten sich auch an meinem Pferd. Aber natürlich braucht es auch mal Momente des sich strecken Dürfens, von Pausen gar nicht erst zu reden. Je mehr die Muskulatur verschiedene Reize erhält, solange diese nicht ins Extreme gehen, desto besser kann sie sich entwickeln. Es macht keinen Sinn ein Pferd von jetzt an in eine Form der Aufrichtung zu pressen. Das wäre dann wieder sehr schädlich und am Ziel vorbei geschossen. Aber eine tragende Hinterhand, mit angehobenem Widerrist und dem Genick als höchsten Punkt, darf nicht zum Fernziel verkommen. Nach dem Kursbesuch bei Ute ist klar, es gibt einen sanften Weg. Ein Weg, der die Pferde aufblühen lässt. Der ihnen hilft sich selber und den Reiter gesund zu tragen. Ist es nicht das, was eigentlich alle Reiter möchten? Ich möchte euch bitten eure Angst oder Abneigung vor dem Thema Versammlung abzulegen. Euren Pferden zuliebe!

Im Jahr 2001 war ich bereits an einem ähnlichen Punkt. Damals sprach ich in den USA mit Eitan Beth Halachmy. Ich hatte zuvor seine Vorführung gesehen und war fasziniert davon, wie aufgerichtet und tänzerisch sein Pferd am durchhängenden Zügel lief. Wir sprachen kurz darüber, wie das nur möglich sei. Leider war es mir danach nicht möglich, mich in diese Richtung weiter zu orientieren. Andere Einflüsse waren einfach zu gross und so geriet es in Vergessenheit. Kaum zu glauben wie lange es dauern sollte, bis ich auf diesen Weg zurückfinden sollte. Aber so musste es wohl sein und ich bin dankbar für alle Erfahrungen, die ich bis hierher sammeln konnte. Denn eines kommt für mich bei seinem Ansatz in dieser Form nicht in Frage, uns zwar der Einsatz  oder auch der drohende Einsatz von Sporen und scharfen Gebissen, z.B. mit grosser Hebelwirkung. Die Art der Anwendung spielt hier natürlich auch eine Rolle. Aber das hat für mich persönlich nichts mit Hilfenverfeinerung zu tun!

 

Ein weiterer wichtiger Baustein für das Training und Zusammensein mit dem Freizeitpartner Pferd ist die Freude! Tief empfundene Freude über das Pferd und mit dem Pferd. Denn ich will nicht nur die körperlichen oder mentalen Baustellen sehen, sondern das Pferd (Siehst du das Pferd, oder das Problem?)! Die Arbeit an der Versammlung macht müde Pferde munter und ist mit Intervallen des Jiyuma Balance Riding, sowie anderen Bausteinen sehr gut kombinierbar. Und die Freude kommt dabei auf keinen Fall zu kurz!

 

Ich möchte euch wärmstens ans Herz legen, mal bei Ute auf Facebook und gerne auch in einem ihrer Kurse vorbei zu schauen.

Es hat aktuell noch mehrere Termine in der Schweiz (01./02. Juni 2019 Koblenz/AG, 20./21. Juni 2019 Düdingen/FR;  24./25. Aug. 2019 Koblenz/AG;  21.22. Sept. 2019 Koblenz/AG).

Weitere Infos dazu findet ihr auch in der entsprechenden Facebook-Gruppe: Ur-Légèreté / F. Baucher mit Ute Wermann, Schweiz

 

In der nächsten Woche bekomme ich dann ein wichtiges Buch von Jean-Claude Racient über das feine Reiten. J.-C. Racinet war zu seinen Lebzeiten Utes wichtigster Mentor, bei dem sie auch in 2007 Volontärin war. Ich bin sehr gespannt, was ich euch dann noch mehr dazu berichten kann.