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Falsch verstandene Leichtigkeit


Eine berühmte Reiterin ist die Tage wieder in die Kritik geraten. Viele Reiterinnen haben sie offenbar als Vorbild für freies Reiten angesehen, also Reiten ohne Zäumung und Sattel, mit dem sie auch hohe Dressurlektionen zeigt. Doch nun zeigen Videoaufnahmen das Training der Reiterin, welches sehr durch Rollkur und damit durch Zwang geprägt ist. Und dies sogar mit einer gebisslosen Zäumung, welche oft als sanft angesehen werden.

 

Für mich gibt es zwei Wege zur Leichtigkeit mit dem Pferd:
1. Erst einmal "konventionell" über Druck und stetige Wiederholung trainieren und das Pferd so später in "Freiheit" an sich binden.
2. Von Beginn an in Leichtigkeit mit dem Pferd arbeiten, Neins akzeptieren und in eine reelle Kommunikation gehen.

Ich betone, das sind für mich die grundlegenden Wege, von denen es viele verschiedene Varianten und Abstufungen gibt.

Nein, dem Pferd, das auf die 1. Weise trainiert wird, sieht man es in einer Show nicht zwingend an. Es muss auf den ersten Blick nicht gestresst oder abgestumpft wirken. Für mich entsteht so aber eine falsch verstandene Leichtigkeit. Hingegen wird das 2. Pferd auch mal "Fehler" machen, eine Pause fordern oder Nein sagen.

 

Natürlich darf und muss man als Mensch auch Grenzen setzen. Das schliesst die Kommunikation mit Leichtigkeit nicht aus. Kritiker meinen, man würde dann nur noch mit Wattebäuschchen werfen. Was für ein absordes Bild. Und ja, in der ersten Herangehensweise wird das Pferd auch nicht ununterbrochen geschlagen. Aber zu häufig wird es mental unterworfen, wie das aktuelle Beispiel zeigt. Und dann gibt es wieder einen Aufschrei, denn das möchte kaum ein Freizeitreiter. Weder über Rollkur, noch über andere Wege. Dann zeigt sich, dass das Training nicht durch Leichtigkeit geprägt ist. Und für mich ist auch klar, dass der Mensch dann auch nicht die Leichtigkeit fühlen kann bzw. überhaupt kennt, die für mich essenziell ist.

 

Es kommt nicht auf der Endergebnis an, das manch einer meint in einer Show präsentieren zu müssen. Es kommt auf den Weg an, auf die Qualität der Beziehung und der Bewegung. Daher schau dir das Training an und blick hinter die Kulissen. Öffne dabei dein Herz und fühle genau hin, ob das der Weg ist, den du mit deinem Pferd gehen möchtest. Wahre Leichtigkeit entsteht von Beginn an und nicht erst nachdem ein Pferd "fertig" training ist. Meine Tür steht dir jederzeit offen und ich plane bald mal wieder einen offiziellen Tag, an dem ich mein Zusammensein und Training mit Pferden zeige. Dies wird aber keine Show sein! Ich würde mich sehr freuen dich dann auch zu sehen!

 

Vor drei Jahren habe ich einen etwas polarisierenden Artikel geschrieben, der ein wenig diesen oben erwähnten Konflikt beschreibt. Er hat für mich auch heute noch eine Berechtigung. Daher teile ich ihn heute noch einmal mit dir: Suchst du einen Freund oder einen Soldaten?

 

Ich wünsche dir in diesem Sinne einen leichten Tag!