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Trauern in der Gegenwart von Pferden

Ich melde mich wieder zurück. Eine schwierige Zeit liegt hinter mir und sicherlich auch noch weitere schwere Momente vor mir. Aber im Hier und Jetzt geht es mir wieder gut, nachdem letzte Woche mein Vater gestorben ist. Trauer ist ein Prozess und es löst mitunter auch ganz neue Lebensthemen aus.

 

Ich erzähle dir von meiner traurigen Zeit, da es auch auf mein Zusammensein mit Pferden einen direkten Einfluss hatte und hat.

 

In den Tagen vor und nach dem Tod meines Vaters war ich nur für einen Notfall in der Nähe von einem Pferd. Ich fühlte mich so aus der Balance, dass ich schlichtweg nicht hingehen konnte. Dies vor allem deshalb, da ich nicht mehr so gelassen und entspannt wie sonst mit ihnen kommunizieren konnte. In solchen Situationen finde ich es dem Pferd gegenüber nicht fair, mich ertragen zu müssen. Weder meine von der Norm abweichenden Handlungen, noch meinen seelischen Schmerz wollte ich ihnen nicht zumuten. Erst als es mir wieder anfing besser zu gehen, bin ich in den Stall gegangen. Ich habe dann einen Spaziergang mit Samson gemacht, wo kaum ein Wort gesprochen, sondern in erster Linie der Moment gefühlt wurde. Das war wunderbar!

 

Ich empfinde es als grosse Verantwortung dem Pferd gegenüber, sie entweder wirklich frei wählen zu lassen wie viel Nähe sie zulassen möchten, oder sie vor emotionalen Schwankungen zu schützen. Natürlich gehören diese Emotionen in dem Moment zu uns, aber wenn wir dadurch zum Beispiel ungeduldiger mit dem Pferd werden, dann ist das in meinen Augen nicht fair. In solchen Momenten auf der Weide bei ihnen zu sitzen, wo sie die Wahl haben wie nah sie kommen, ist für mich absolut in Ordnung. Aber etwas zu fordern geht für mich nicht. Denn wenn die Gedanken nicht fokussiert sind, wie kann ich dann etwas anspruchsvolles vom Pferd erwarten? Sie sind keine Maschinen und reagieren unmittelbar auf ihre Umgebung. In diesem Fall eben auch unsere emotionale Schwankung.

 

Deshalb erzähle ich ja auch immer wieder von einfachen Übungen, die man vor dem Besuch im Stall machen kann um sich wieder zu sammeln und zu zentrieren. Sie sind praktisch im Alltag anzuwenden, wie zum Beispiel kleine Achtsamkeitsübungen. In emotionalen Ausnahmesituationen braucht es mitunter aber einfach etwas anderes.

 

Ich möchte dich dazu ermutigen spüren zu lernen, was du brauchst, wie du dich fühlst und wie du Ausgeglichenheit und Ruhe fördern kannst. Die Pferde schätzen das sehr!

 

Heute, nach diesem Verlust eines geliebten Menschen, finde ich die Kraft des aktuellen Moments noch wichtiger als zuvor. Und die Zeit, die ich mit Pferden verbringen darf ist ein Geschenk, das ich noch intensiver zu schätzen weiss. Die Stille in ihrer Gegenwart ist einfach nur wunderbar und kostbarer als jede Übung oder Reitlektion.

 

In diesem Sinne wünsche ich auch dir viele wunderbar stille Momente mit deinem Pferd!