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Herz über Kopf

Nachdem ich einige Tage lang wenig bis gar nicht auf Facebook war, wollte ich fast nicht mehr zurück kehren. Also zumindest nicht auf meine private Seite. Aber der Kontakt zu meinen Freunden aus verschiedenen Regionen und natürlich auch meine Seite hier, hindern mich daran zu gehen. Und das ist ja auch in Ordnung so, denn es gibt ja auch wirklich viel positives an diesem digitalen Ort. Aber was stresste mich denn eigentlich so?

 

Es waren in erster Linie die verschiedenen Pferde-Gruppen, in denen ich Mitglied war. Ja, ich war Mitglied, denn gestern bin ich aus vielen von ihnen ausgetreten, weitere werden eventuell noch folgen. Da sah und las ich regelmässig Dinge, die mich erschaudern liessen. Beiträge zeugten von grosser Unkenntnis, obwohl bereits ein Fohlen gekauft wurde. Nein, natürlich lernt man immer dazu, aber warum sind viele so unvorbereitet? Oder warum aufen sich nicht wenigstens mal einen Stapel Bücher, um zu lernen? Und dann sind dort Fragen in diesen Gruppen, auf die es immer mindestens 20 verschiedene Meinungen anderer Mitglieder gibt. Was genau erwarten die Fragesteller von solchen Gruppen? Wer genau dort anwortet und wie viel Erfahrung diese Person wirklich mit dem Thema hat, ist einfach nicht klar. Und wonach wählt der oder die Fragende eine Antwort aus? Probiert er/sie verschiedenes aus, trainiert ein bisschen so und dann wieder so? Wie kann man etwas probieren, wenn man gar nicht weiss wie es sich anfühlen soll? Denn das braucht entweder viel Zeit, oder eine enge Begleitung eines anderen Pferdemenschen, sei es vor Ort oder in einer Onlineberatung. Aber Geld investieren kann oder möchte man nicht. Daher fragt man lieber schnell mal auf Facebook nach. Und wenn man zu einem Beitrag etwas kritisches schreibt ist man umgehend ein Nörgler, Spielverderber. Dann überlegte ich mir teils wirklich, ob ich etwas kommentiere sollte. Denn oft möchte das Gegenüber ja gar nicht lesen, lieber nur "Daumen hoch" bekommen. All das stresste mich sehr. Aber da war bzw. ist noch mehr.

 

Ergebnisorientierungen führen dazu, dass in solchen Pferde-Gruppen Fragen nach "Wie stelle ich das ab?" und "Wie trainiere ich das?" gestellt werden. Ich habe das Gefühl, wir orientieren uns so extrem an Ergbnissen und Zielen, dass wir das Wesen Pferd aus den Augen verlieren. Wir diskutieren über Technik und vergessen zu spüren. Wir möchten etwas erreichen und vergessen, dass der Weg dahin VIEL Zeit braucht. Wir versteifen uns auf eine Vision und merken gar nicht, dass diese eigentlich gar nicht unsere ist, sondern von der Umgebung vorgegeben.

 

Und dann lese ich heute Morgen den Artikel von Antoinette Hitzinger von "Herzensache Pferd" über ein kleines Pferdeherz. Hier findest du die Geschichte: https://herzenssachepferd.ch/zum-weltpferdetag-die-unspek…/…
Claudia Barfuss vom Pferdenetzwerk hat sie heute bei sich geteilt. Vielen Dank euch beiden. Ich habe sie gerade zum rechten Zeitpunkt gefunden.

Ja, wir dürfen uns im Internet und somit auch auf Facebook inspirieren lassen. Und man findet hier so tolle Menschen, dass ich sicher hier bleiben werde! Aber wir dürfen unser Herz und das der Pferde nicht vergessen. Ich habe diesbezüglich in den letzten Monaten sehr viel dazu gelernt und Samson geniesst die gemeinsame Zeit deutlich mehr als auch schon. Er ist motiviert und freudig bei der Sache, was auch mein Herz höher springen lässt. Sein Wohlbefinden, seine Freude, sein Stolz und seine Kraft sind immer weiter in den Fokus gerutscht und lassen ihn wachsen und strahlen.

 

Ich habe nichts gegen Technik. Techniken sind wichtig und gar elementar. Sie zeigen Wege der Kommunikation auf, helfen Pferde zurück in Balance zu finden, sollten sie diese verloren haben. Und auch ich bin ja nicht frei von Technik, wie könnte ich auch? Aber Ergebnisse und Techniken sind nicht das, was uns als Kind zu Pferden gezogen hat. Es ist nicht das, was wir eigentlich so am Zusammensein mit Pferden lieben. Jedenfalls geht es mir so. Wir Erwachsene haben das zum Teil einfach nur vergessen, da wir meinten Erwartungen erfüllen zu müssen, Ziele erreichen zu müssen. Das hat uns vom Wesentlichen entfernt, es hat uns zu Technikern werden lassen.

 

Ich möchte euch mit diesem Text dazu ermutigen in euch zu spüren. Was ist eure tiefe und eigenste Motivation? Was sind Bilder, die ihr von aussen vorgegeben bekommt und versucht, zu euren Bildern zu machen? Ich weigere mich, mir Techniken anzueignen, die nicht meinem Herzen entsprechen. Egal wie gut die Absichten dieser Methoden auch sein mögen. So werde ich auch weiterhin und gar vermehrt auf mein Herz hören und dies in meinen Unterricht einfliessen lassen. Denn das ist es, was Jiyuma bedeutet. Ein einfühlsamer Weg mit Pferden kann nur im Herzen beginnen.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch eine wunderbare Zeit mit euren Pferden und das eure Herzen gemeinsam hüpfen mögen!